Von: Celal Işıks
Vor fünfhundert Jahren war die Zusammenarbeit zwischen Idris-i Bitlisi und Yavuz [Sultan Selim] keine Einheit auf Basis einer kurdischen und türkischen Identität, sondern eine religiöse, islamische Verbundenheit.
Idris-i Bitlisi handelte zum Vorteil und Nutzen seiner selbst und seines Stammes. Yavuz handelte ebenfalls nicht für die Türken oder das Türkentum, sondern im Namen der wirtschaftlichen und politischen Interessen seiner eigenen Dynastie (der Osmanen) und schloss dementsprechend Bündnisse.
In dieser Hinsicht war das Bündnis zwischen Yavuz und Idris-i Bitlisi gegen Schah Ismail kein Pakt zwischen Nationen, sondern ein Interessenbündnis, das auf einem religiösen und konfessionellen Fundament errichtet wurde. Denn zu jener Zeit gab es noch keinen kollektiven Begriff der „Nation“.
Wenn Öcalan daher heute für die kurdisch-türkische Einheit ein Bündnis als Referenz heranzieht, das vor 500 Jahren stattfand, ist dies eine sehr falsche und bedauerliche Situation.
In der Zeit, als dieses Bündnis geschlossen wurde und Yavuz gegen den Iran Krieg führte, verübte Idris-i Bitlisi in Anatolien ein großes Massaker an alevitischen Kizilbasch. Dieses Ereignis als Referenz heranzuziehen bedeutet, die Schmerzen der in diesem Land lebenden türkischen und kurdischen Kizilbasch-Aleviten wieder aufzuwühlen.
Dies hieße zudem, blind zu sein für die Existenz der alevitischen Kizilbasch (Türken oder Kurden) innerhalb der kurdischen politischen Bewegung und der DEM-Partei.
Falls Öcalan also tatsächlich eine solche Erklärung abgegeben hat, ist dies eine Situation, die eine ernsthafte Selbstkritik erfordert. Falls nicht, ist es an einen Punkt gelangt, an dem eine ausreichende Erklärung zu diesem Thema unumgänglich ist.
Andernfalls würden Sie mit einem Friedensprozess, der sich auf die „islamische kurdisch-türkische Brüderschaft“ von vor fünfhundert Jahren bezieht, die historischen Wunden der alevitischen Kizilbasch, die diesen Prozess unterstützen, erneut blutig reißen.
Sie würden damit Personen wie Altan Tan, Kemal Öztürk und Levent Gültekin die Gelegenheit geben, die alevitischen Kurden und die Linken, die Bestandteile der DEM sind, anzugreifen.
Indem Sie die DEM von alevitischen Kurden und Linken „reinigen“, würden Sie die Tür genau für das öffnen, was die Regierung will: die Partei auf eine religiöse „Ummah-Linie“ zu ziehen.
Damit würden Sie dem pluralistischen, säkularen und demokratischen Paradigma der DEM schaden, und das wäre jammerschade.
Je früher man den Schaden begrenzt, desto besser.