Lister Meiles neuer Döner-Gast: La Moro

von Fremdeninfo

Von: Cumali Yağmur

Obwohl der Name des Döners türkisch ist, ist seine wahre Heimat inzwischen Deutschland geworden – und „La Moro“ ist ein italienischer Name. Da ich selbst kein Fleisch esse, bleibt mir für die Döner-Liebhaber nichts anderes übrig, als „Guten Appetit“ zu wünschen.

Da der Döner fast schon zum Nationalgericht Deutschlands geworden ist, hat auch die Zahl der Dönerläden rasant zugenommen. Tatsächlich liegen sie in Bezug auf den Umsatz (Ciro) inzwischen weit vor McDonald’s und anderen Hamburger-Ketten.

Auf der Lister Meile in Hannover – dem Viertel, in dem ich seit einigen Jahren lebe – eröffnet nun mit „La Moro“ der sechste Dönerladen. Das Interessante daran ist: Ich esse seit etwa 40 Jahren kein Fleisch. La Moro hat sich zuvor auf der Limmerstraße einen guten Namen gemacht. Der Betreiber, Herr Murat, ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, der viel von Gastronomie versteht. Er pflegt einen engen Kontakt zu seinen Kunden, spricht die Bedürfnisse jedes Einzelnen an und verfolgt einen sehr serviceorientierten Ansatz. Auch ich habe dort einige Male Halloumi (Hellim-Käse) gegessen; dabei fiel mir besonders der herzliche Dialog auf, den Herr Murat mit seinen Kunden führte. Damals gab es vor dem Laden in der Limmerstraße immer lange Schlangen; die Menschen warteten geduldig, um bei La Moro Döner essen zu können.

Nachdem Herr Murat den Laden übergeben hatte (was ich anfangs nicht wusste), bemerkte ich eines Tages, als ich dort Halloumi essen wollte, dass die Schlange kürzer geworden war. Auch der Geschmack war nicht mehr wie früher. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass der Besitzer gewechselt hatte.

Aktuell gibt es auf der Lister Meile bereits zahlreiche Optionen wie Lister Döner, Meister Döner, Döner des Hauses sowie die langjährigen Klassiker Kebap 63 und Urfa Döner. Besonders vor „Lister Döner“ bildet sich meist eine Schlange; die Leute nehmen die Wartezeit gerne in Kauf, um dort ihren Döner zu essen.

Tatsächlich stammt der Großteil der Döner heutzutage aus industrieller Produktion. Aufgrund günstiger Arbeitskräfte und niedriger Fleischkosten werden sie oft in Polen nach „türkischer Art“ vorbereitet und nach Deutschland geliefert. Auch in Berlin, Frankfurt und Duisburg gibt es große Dönerfabriken. Früher bereitete jeder Laden seinen Döner selbst zu; heute ist handgemachter Döner aufgrund von Hygienevorschriften und Standards nur noch selten zu finden – die meisten Betriebe nutzen Fertigprodukte. (An dieser Stelle muss eine Ausnahme erwähnt werden: In Frankfurt gibt es einen sehr alten Laden namens „Köylü Döner“, die ihren Döner noch immer selbst herstellen. Dieser Ort ist so sauber und berühmt, dass sogar der ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Ignatz Bubis, dort Döner geschnitten hat – er hat sogar Angela Merkel dorthin geführt, damit auch sie zum Messer greift.)

Ob sich La Moro auf der Lister Meile behaupten kann, sehe ich mit einer gewissen Skepsis. Die sozioökonomische Struktur der Lister Meile ist anders; hier lebt eher die Mittelschicht, und das dönerbegeisterte Publikum ist nicht so dicht gesät wie in der Limmerstraße. Gleichzeitig gibt es im Viertel mittlerweile eine sehr hohe Dichte an Dönerläden. Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal, das La Moro von den anderen abhebt, ist derzeit nicht ersichtlich, da mittlerweile fast jeder Dönerladen auch Halloumi (Grillkäse) anbietet. Da ich selbst kein Fleisch esse, sagen mir die Ladenbesitzer, wenn ich mit ihnen darüber spreche: „Der Döner kommt ohnehin aus der Fabrik; wenn man im Laden den Geschmack der Sauce dem Gaumen des Kunden anpasst, wird er zum Stammkunden und kommt immer wieder für denselben Döner.“

Kurz gesagt: Da der Geschmack des Döners maßgeblich von der Qualität der Sauce und der Frische des Salats abhängt, bevorzugen die Menschen bestimmte Orte. Dennoch hoffe ich, dass es für La Moro auf der Lister Meile gut läuft und sie die hohen Ladenmieten im Viertel decken können. Wenn sie wirklich guten Halloumi und leckere Salate zubereiten, werde auch ich als Nicht-Fleischesser sicher ab und zu vorbeischauen.

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