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Eine kurze Reise durch die japanische Literatur

von Fremdeninfo 21 Juli 2026
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              Von: İSKAN TOLUN / Köln

„Um eine Gesellschaft, ein Land zu verstehen, reichen Besuche von drei bis fünf Tagen nicht aus. Man muss dort mindestens drei bis vier Monate arbeiten, sowohl die Städte außerhalb der Hauptstadt als auch die ländlichen Regionen bereisen und das Land sogar nach einigen Jahren erneut besuchen.“ Dies schrieb mein geschätzter Lehrer İsmail Beşikci in seiner Kolumne mit dem Titel Japaner, Japan. Er kritisierte darin in seinem ganz eigenen Stil die harte Haltung der japanischen Regierung gegenüber Ausländern, insbesondere gegenüber Kurden.

Während Beşikci die strengen Maßnahmen des japanischen Regimes detailliert beschrieb, bezog er sich auch auf das Buch von İrfan Aktan: Karihōmen – Kurde sein in Japan. Er fügte hinzu: „İrfan Aktans Buch ist eine sehr wichtige und wertvolle Arbeit. Es ist ein unschätzbares Werk, um die Kurden zu verstehen, die zum Arbeiten nach Japan gehen.“ Ich war ebenfalls sehr neugierig auf dieses Buch, habe es aber leider (aufgrund der hohen Arbeitsbelastung) noch nicht geschafft, es zu lesen. Dennoch habe ich es nicht vergessen.

Doch kommen wir zum eigentlichen Punkt: Vor Kurzem verbreitete sich die traurige Nachricht in den Medien: „Der kurdische Drehbuchautor und Schauspieler Murat Çiçek aus Colemêrg, der wegen eines einfachen Verkehrsunfalls in Japan in Gewahrsam genommen worden war, ist verstorben.“ Die Zweigstelle Hakkari des Menschenrechtsvereins (IHD) forderte daraufhin eine wirksame und unabhängige Untersuchung zum Tod von Murat Çiçek, der in japanischem Gewahrsam sein Leben verlor.

Gibt es in Europa Fälle, in denen jemand in Polizeigewahrsam verstorben ist? Ich glaube nicht. Ich habe zumindest nie davon gehört. Japan ist ein entwickeltes und modernes Land. Es bleibt zu hoffen, dass die japanische Regierung ihre harte Haltung überdenkt und positiv auf den Aufruf des Menschenrechtsvereins reagiert. In der Hoffnung, dass dieser Vorfall nicht vertuscht und die Todesursache nicht im Dunkeln gelassen wird, möchte ich nun zum eigentlichen Thema kommen:

Wie der Titel schon sagt, ist das Thema meiner Artikelserie über die bedeutenden Literaturen der Welt in dieser Woche Japan. Eigentlich sollte Japan erst später an der Reihe sein, doch aufgrund dieses tragischen Ereignisses rückte es in den Vordergrund. Wenn ich an Japan denke, kommen mir – wie wohl jedem – immer zuerst die Katastrophen von Hiroshima und Nagasaki in den Sinn, die mich tief berühren und auch in meinen Romanen thematisiert wurden. Doch unser Thema ist heute nicht der Krieg, sondern die Literatur.

Diese magische Kunstgattung, die auf Ästhetik und Genuss basiert, war für Schriftsteller schon immer und überall ein unverzichtbares Abenteuer, um den Menschen, die Gesellschaft und das Leben zu verstehen. Jedes Mal, wenn ich ein Buch über die japanische Kultur und Literatur las, wollte ich diese zauberhaften Städte besuchen, ihre Pracht sehen, durch ihre belebten Straßen schlendern und in ihren Parks spazieren gehen, in der Hoffnung, dass sie als Inspiration für meine Romane dienen könnten. Leider hat es sich bisher nicht ergeben.

Man sagt, die japanische Literatur habe eine fast zweitausendjährige Geschichte. Sie sei unter chinesischem und buddhistischem Einfluss entstanden, habe sich in der klassischen Ära geformt und reiche, vermischt mit westlicher Literatur, bis in die Moderne. Japan genießt weltweiten Ruhm für eine Tradition, die durch Naturverbundenheit, eine minimalistische Sprache und psychologische Tiefe geprägt ist. Man darf nicht vergessen, dass die Öffnung Japans zur Welt eine große Transformation in der Weltliteratur ausgelöst hat. Die Grundlagen der klassischen japanischen Literatur reichen bis in die Hofkultur zurück. Denkt man an den kaiserlichen Hof, fällt einem sofort das Notizbuch der Hofdame Sei Shōnagon ein.

Sei Shōnagon, die als hochrangige Hofdame der Kaiserin Sadako diente, hielt in ihrem Notizbuch alles fest, was geschah. Sie schreckte nicht davor zurück, alles aufzuschreiben, was ihr in den Sinn kam: kleine und große Ereignisse, alltägliche Begebenheiten, ihre Erinnerungen und ihre Meinungen zu Themen, die sie für wichtig hielt. Alles, was sie mochte oder nicht mochte, was sie herrlich oder deprimierend fand, was ihr Herz schneller schlagen ließ oder sie verärgerte – sie notierte alles und verarbeitete es später zu einem Buch. Dieser tausendjährige Klassiker der japanischen Kultur ist, wie alle echten Literaturklassiker, ein einzigartiges Werk, das uns auch heute noch viel zu sagen hat: Das Kopfkissenbuch (Makura no Sōshi).

Natürlich gibt es in Japan, wie in jedem Land, viele wertvolle Künstler und Schriftsteller, die Gefühle, Gedanken und Träume in einer ästhetischen Sprache geformt haben: Kōbō Abe, Sei Shōnagon, Osamu Dazai, Murasaki Shikibu, Yasunari Kawabata, Matsuo Bashō und so weiter. (Es ist bekannt, dass Matsuo Bashō der bedeutendste Meister der Haiku-Tradition ist, die durch ihre kurze und tiefgründige Struktur besticht.) Die Liste ist lang. Würde ich sie alle beschreiben, würde dieser Artikel den Rahmen sprengen. Daher werde ich nur einen weiteren geschätzten Autor vorstellen, der mich besonders beeinflusst hat: Haruki Murakami.

Haruki Murakami wurde 1949 in Kyoto geboren. Seine Werke wurden weltweit in mehr als 50 Sprachen übersetzt. Der japanische Romancier ist zudem Kurzgeschichtenautor und Übersetzer. Er ist bekannt für seinen fesselnden Stil, der Magischen Realismus, Referenzen zur Jazzmusik und das Thema der Einsamkeit miteinander verbindet. Zu seinen bekanntesten Werken gehören Naokos Lächeln (Norwegian Wood), Kafka am Strand und 1Q84.

Merkmale und Stil:
Er gilt als bedeutender Vertreter der postmodernen Literatur. In seinen Werken vermischt er die alltägliche Realität mit metaphorischen Elementen wie Träumen, Mysterien, Popkultur und Katzen.

Westlicher Einfluss:
In seinen Werken ist eher ein starker Einfluss westlicher Kultur, Jazzmusik und Individualismus spürbar als die klassische japanische Kultur. Während seiner Karriere hat er Hunderte von Werken verfasst. Murakami hat bewiesen, dass er ein zeitgenössischer Meister ist, der durch den Magischen Realismus und die Darstellung des modernen Lebens weltweit Anerkennung gefunden hat.

Haruki Murakamis Roman Naokos Lächeln fiel mir vor Jahren zufällig in die Hände, und ich las ihn mit großem Vergnügen. Ich war von seinem Schreibstil und seiner Interpretation begeistert und wollte – wie bei jedem Autor, den ich schätze – sein gesamtes Werk lesen. Murakami ist der unkonventionellste, aber meistgelesene Autor der japanischen Literatur. Mit seinem Stil, den er außerhalb der japanischen Traditionen entwickelt hat, ist er ein vielbeachteter Autor, und ich glaube, es war vor allem der Roman Naokos Lächeln, der ihn weltweit bekannt machte.

In Naokos Lächeln transportiert er die gesellschaftlichen Realitäten der Zeit in seine Zeilen und konzentriert sich dabei auf die Liebesabenteuer der jungen Protagonisten. Der Roman spielt im Tokio der Jahre 1968–1970, ist getrieben vom Sturm der Jugend und konfrontiert die Figuren früh mit dem Tod. Es ist ein Studentenleben, in dem nichts von Bedeutung zu sein scheint, Ziellosigkeit überwiegt und Freiheit herrscht… Auf der anderen Seite stehen intensive Gefühle – so stark, dass sie jemanden, der in eine unmögliche Liebe verstrickt ist, „unmögliche Lieder“ singen lassen. Naokos Lächeln ist ein Roman, den fast jeder japanische Jugendliche gelesen hat. Eigentlich würde ich diesen Roman gerne noch einmal lesen, um tiefer einzutauchen und die Innenwelt der Charaktere noch besser zu verstehen. Aber es haben sich so viele Bücher und Romane angesammelt, die darauf warten, gelesen zu werden…

Dieser Artikel ist dem Künstler Murat Çiçek gewidmet!

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