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Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Die Türkei scheitert an sich selbst

von Fremdeninfo 21 Juni 2026
von Fremdeninfo 21 Juni 2026
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Von: dtj-online

 Die Enttäuschung ist groß. Nach dem seit heute Morgen feststehenden WM-Aus der türkischen Nationalmannschaft bleibt vor allem eine Erkenntnis: Nicht die Gegner waren zu stark, sondern die Türkei selbst zu schwach.

Dabei hatte vor dem Turnier vieles auf einen erfolgreichen Sommer hingedeutet. Die „Goldene Generation“ um Arda Güler und Kenan Yıldız wurde gefeiert, Nationaltrainer Vincenzo Montella sprach von großen Zielen, und auch in den Medien war die Euphorie spürbar. Doch zwischen den ambitionierten Worten und den Leistungen auf dem Platz klaffte eine gewaltige Lücke.

Die Zahlen erzählen eine bemerkenswerte Geschichte. Insgesamt gab die Türkei im Verlauf der Gruppenphase 62 Schüsse ab – viele davon aus der Distanz. Tore? Fehlanzeige. Die Mannschaft hatte den Ball, kontrollierte weite Phasen der Spiele und dominierte teilweise die Statistiken. Was jedoch fehlte, war das Entscheidende: Durchschlagskraft im letzten Drittel.

Ballbesitz allein gewinnt keine Spiele

Ballbesitz allein gewinnt keine Spiele, das weiß man schon seit einiger Zeit im Weltfußball. Wer den Ball minutenlang durch die eigenen Reihen laufen lässt, ohne klare Chancen zu kreieren, betreibt letztlich Selbstbeschäftigung. Genau diesen Eindruck hinterließ die türkische Mannschaft über weite Strecken des Turniers. Viel Kontrolle, wenig Gefahr. Viel Aufwand, wenig Ertrag.

Besonders enttäuschend war dabei die Leistung einiger Schlüsselspieler. Arda Güler, von vielen als Hoffnungsträger und kreativer Kopf gefeiert, blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Auch Kapitän Hakan Çalhanoğlu konnte dem Spiel kaum Impulse verleihen – anders als im Verein bei Inter Mailand. Von Kerem Aktürkoğlu war ebenfalls nur wenig zu sehen. Das lag aber weniger an ihm, sondern an seinem Trainer der ihn in beiden Spielen aufstellte und zumindest gegen Paraguay seinen Fehler bereits nach einer Hälfte einsah und ihn rausnahm. Ausgerechnet jene Akteure, die den Unterschied machen sollten, wurden zu Symbolfiguren eines insgesamt enttäuschenden Auftritts.

Hinten anfällig und unkonzentriert, Torhüter Çakır kein Faktor

Doch die Probleme beschränkten sich nicht auf die Offensive. Auch defensiv präsentierte sich die Türkei erstaunlich anfällig und unkonzentriert. Besonders bitter: Die erste ernsthafte Torchance des Gegners führte unmittelbar zum Gegentor. Was sich bereits in den vergangenen Monaten angedeutet hatte, wurde auf der größten Bühne des Weltfußballs sichtbar. Die Mannschaft wirkte defensiv nicht stabil genug, um schwächere Offensivleistungen kompensieren zu können. Auch Torwart Uğurcan Çakır, der in dieser Champions League-Saison mehrere Top-Spiele ablieferte, war nicht auf der Höhe, auch wenn ihm bei den Gegentoren kein Patzer unterlief.

Hinzu kommt ein psychologischer Aspekt. Selten wurde im Vorfeld eines Turniers so viel über das Potenzial der Mannschaft gesprochen. Spieler, Funktionäre und Beobachter verwiesen immer wieder auf die außergewöhnliche Qualität des Kaders. Auf dem Platz war davon jedoch nur wenig zu erkennen. Die Türkei spielte nicht wie ein Team, das von seinen Stärken überzeugt ist, sondern wie eine Mannschaft, die auf den entscheidenden Moment wartet – und dabei vergisst, ihn selbst zu erzwingen.

Mahnung, die eigenen Möglichkeiten realistischer einzuschätzen

Das WM-Aus sollte deshalb nicht allein als sportlicher Rückschlag verstanden werden. Es ist auch eine Mahnung, die eigenen Möglichkeiten realistischer einzuschätzen. Talent ist vorhanden, keine Frage. Doch Talent allein reicht im internationalen Fußball nicht aus. Zwischen Potenzial und Leistung liegt ein weiter Weg.

Die Türkei reist deshalb nicht wegen mangelnder Qualität nach Hause, sondern weil sie ihre Qualität viel zu selten zeigen konnte. Das macht das Ausscheiden umso schmerzhafter. Denn die größte Enttäuschung dieses Turniers ist nicht das Ergebnis – sondern die Erkenntnis, dass diese Mannschaft deutlich mehr hätte erreichen können bei der ersten WM-Teilnahme seit 24 Jahren.

Schade. Oder wie es Arda Güler formulierte: „Wir sind richtig, richtig traurig.

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