Offener Brief an Fatih Zingal

von Erdoğan Sedef

 Von: Turgut Yüksel ( Mitglied des Hessischen Landtags (SPD)

„Von den vier Großen der Süper Lig hat nur Trabzonspor Amedspor nicht beglückwünscht. Ich gratuliere Trabzonspor von ganzem Herzen zu dieser Haltung.“ – Fatih Zingal

Sehr geehrter Herr Zingal,

mit großer Empörung habe ich Ihren Facebook-Beitrag zur Kenntnis genommen, in dem Sie die Haltung von Trabzonspor gegenüber dem kurdischen Fußballverein Amedspor (Diyarbakır) ausdrücklich begrüßen.

Gerade weil Sie sich in Deutschland öffentlich gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung positionieren und sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen, hat mich diese Aussage sehr irritiert. Wer für Respekt, Vielfalt und ein friedliches Miteinander eintritt, sollte diese Werte gegenüber allen Menschen und Gruppen gleichermaßen vertreten.

Als öffentliche Persönlichkeit tragen Sie eine besondere Verantwortung. Viele Menschen orientieren sich an Ihren Aussagen. Wer Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Identität bauen möchte, sollte darauf achten, keine ethnischen oder gesellschaftlichen Spaltungen zu vertiefen. Anerkennung, Respekt und Fairness dürfen nicht davon abhängig gemacht werden, welcher ethnischen oder kulturellen Gruppe jemand angehört.

In einer vielfältigen Gesellschaft wie Deutschland brauchen wir Stimmen, die verbinden statt trennen. Glaubwürdigkeit im Einsatz gegen Diskriminierung zeigt sich gerade darin, dass für alle dieselben Maßstäbe gelten – unabhängig davon, ob es sich um Kurden, Türken, Deutsche oder andere Bevölkerungsgruppen handelt.

Ich würde mir wünschen, dass wir alle – insbesondere Personen des öffentlichen Lebens – dazu beitragen, Vorurteile abzubauen, den gegenseitigen Respekt zu stärken und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Nur so können wir glaubhaft für eine offene und demokratische Gesellschaft eintreten.

Es gibt Menschen, die in Deutschland und anderen Ländern vorgeben, gegen Rassismus zu kämpfen und dies als große Tugend zur Schau stellen. Doch gleichzeitig legitimieren sie dieselbe Diskriminierung im eigenen Land unter dem Deckmantel des „Nationalismus“. Wer auf der Bühne von „Brüderlichkeit“ spricht, aber im nächsten Atemzug nach der Devise „Der beste Kurde ist ein toter Kurde“ handelt, offenbart eine tiefe charakterliche Armut. Anstatt Vorurteile abzubauen, schüren solche Personen diese weiter und nutzen sie als populistisches Material für den eigenen persönlichen Vorteil. Was hier zur Schau gestellt wird, ist keine Tugend – es ist reinste Heuchelei.

Mit freundlichen Grüßen,

Turgut Yüksel
Mitglied des Hessischen Landtags

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