Von Cumali Yagmur
In meinem heutigen Artikel werde ich über die Organisierung migrantischer Jugendlicher in Europa und insbesondere in Deutschland schreiben – dem Land, in dem wir leben und auch unsere Zukunft gestalten werden.
Die in ganz Europa erstarkende extreme Rechte und die migrationsfeindliche Politik erschüttern weiterhin das soziale und politische Gleichgewicht des Kontinents, allen voran in Deutschland. Die strukturellen Schwierigkeiten, mit denen migrantische Jugendliche im gesellschaftlichen Leben konfrontiert sind, haben in Verbindung mit dem Aufstieg der AfD (Alternative für Deutschland) und ähnlicher rechtsextremer Formationen ein Ausmaß erreicht, das den Alltag bedroht. Heute ist es für Migranten aus verschiedenen Herkunftsländern keine bloße Entscheidung mehr, sondern eine Notwendigkeit, mit einem gemeinsamen „Minderheitenbewusstsein“ zu handeln und sich auf dieser Grundlage zu organisieren.
Dieser Organisierungsprozess muss unter Berücksichtigung der soziopolitischen Struktur der europäischen Gesellschaften aufgebaut werden. Zum jetzigen Zeitpunkt sind migrantische Jugendliche keine vorübergehenden Gäste, sondern ein wesentlicher und untrennbarer Bestandteil der Gesellschaften, in denen sie leben. Es ist essenziell, sich ohne Abspaltung vom Ganzen, mit einer verbindenden Perspektive und Modellen zu organisieren, die dem Geist der neuen Ära entsprechen. Um die gelegentlich aufkommenden Spannungen zwischen einheimischen und migrantischen Jugendlichen zu überwinden, bedarf es einer bewussten und besonderen Anstrengung beider Seiten. Die migrantische Jugend muss eine gemeinsame Basis für den Kampf schaffen, die mit dem sozialen Gefüge des Gastlandes und den Tendenzen der lokalen Jugend im Einklang steht.
Die junge Generation muss den jahrelangen Fehler, sich „nur über politische Strukturen der Herkunftsländer oder durch außenorientierte Dynamiken zu organisieren“, rasch aufgeben. Im Gegenteil: Es ist lebensnotwendig, gemeinsam mit den Gleichaltrigen der Gesellschaft zu agieren, in der sie ihre Zukunft aufbauen werden. Unter den heutigen Bedingungen müssen neue politische Ansätze entwickelt werden, die über den Status quo hinausgehen, und es müssen Organisationsstrukturen geschaffen werden, die dem Zeitgeist entsprechen. Die Umsetzung aktueller Forderungen ist nur möglich, wenn man als aktives Subjekt innerhalb dieser Gesellschaft agiert.
Es ist absehbar, dass sich rechtsextreme Jugendstrukturen im Laufe der Zeit weiter konsolidieren werden. Gegen diese reaktionäre Welle müssen Jugendliche aus demokratischen, sozialistischen und linken Traditionen eine tief verwurzelte und wirksame Barrikade errichten. Leider erweisen sich die bestehenden Jugendorganisationen der politischen Parteien in Deutschland oft als unzureichend, um die Massen zu erreichen, und weisen statische Strukturen auf. Es ist unumgänglich, die Funktionalität dieser Strukturen zu hinterfragen und einen neuen Fokuspunkt zu schaffen, der Energie in Taten umsetzt.
Die Ergebnisse der Europawahlen in den 27 EU-Mitgliedstaaten haben das Erstarken der extremen Rechten in aller Deutlichkeit vor Augen geführt. Der Aufstieg der AfD in Deutschland und die Tatsache, dass Marine Le Pens Rassemblement National (RN) in Frankreich zur stärksten Kraft wurde, sind die konkretsten Beispiele hierfür. Trotz der Machtansprüche der Rechten in Frankreich haben die Ergebnisse jedoch auch gezeigt, dass sich ein starker gesellschaftlicher Widerstand gegen den rechtspopulistischen Trend formiert.
Die Jugend: Die dynamische Kraft des Kampfes
Die junge Generation zahlt den höchsten Preis für die imperialistischen Verteilungskriege im Nahen Osten und in verschiedenen Teilen der Welt. Im Laufe der Geschichte war die Jugend stets die Stimme der Unterdrückten, Gedemütigten und Ausgegrenzten; sie hat ihre historische Aufgabe erfüllt, indem sie stets an vorderster Front des Kampfes stand.
Der Hauptgrund dafür, dass die migrantische Jugend in Europa heute nicht im gewünschten Maße am Kampf teilnimmt, ist das Fehlen starker und integrativer Jugendbewegungen, wie es sie in der Vergangenheit gab. Doch die die Welt erschütternden Wirtschaftskrisen und regionalen Kriege werden die Geburtsstunde einer neuen Jugendbewegung in Europa einleiten. An diesem Punkt müssen Jugendliche mit Migrationshintergrund ihre Gleichgültigkeit ablegen und sich Schulter an Schulter mit der Jugend des Landes organisieren, in dem sie leben. In einer Zeit, in der isolierte Organisationsformen den aktuellen Anforderungen nicht mehr gerecht werden, ist eine kollektive und vereinte Kampflinie unerlässlich.
Dieser historische Moment darf nicht verpasst werden. Die Jugend ist die dynamischste Kraft der Gesellschaft, und solange sie nicht an vorderster Front steht, kann kein gesellschaftlicher Wandel erfolgreich sein. Gegen die aufkommende rechte Welle in Europa müssen migrantische Jugendliche rationale und effektive Jugendorganisationen gründen, welche die konkreten Bedingungen ihrer Länder genau analysieren.
Ein entschlossener Kampf gemeinsam mit der einheimischen Jugend gegen Nationalismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit – die sich wie ein kulturelles Gift in den europäischen Gesellschaften verbreiten – ist die einzige Kraft, die diese unmenschlichen Ideologien zurückdrängen kann. Unabhängig von eurer Herkunft, eurem Namen oder eurem Glauben: Ihr seid integrale Bestandteile dieser Gesellschaft. Verinnerlicht diese Tatsache, befreit euch von der Passivität, die durch eine „Minderheitenpsychologie“ entsteht, und nehmt euren Platz im gesellschaftlichen Kampf ein.
Unabhängige und autonome Organisationen sind notwendig
Es müssen unabhängige, autonome und überparteiliche Jugendorganisationen geschaffen werden, ohne sich in den engen Grenzen der Jugendorganisationen bestehender politischer Parteien zu verlieren. Dieses neue Organisationsmodell, das auf die Bedürfnisse der Sozialstruktur reagieren kann – dynamisch, flexibel und angepasst an den politischen Boden Europas und Deutschlands –, wird der Garant für ein demokratisches Europa und Deutschland von morgen sein. Jugendorganisationen müssen sich so strukturieren, dass sie auf demokratische Bedürfnisse reagieren und entsprechende Kampfformen entwickeln.
Vergesst eine Tatsache nicht: Es gibt keine Zukunft, die ohne Kampf gewonnen wird. Die Zukunft wird immer durch entschlossene Kämpfe errungen. Als Teil der Gesellschaft, in der ihr in Europa und Deutschland lebt, müssen durch Engagement neue Organisationsformen geschaffen werden.
Unter den heutigen Bedingungen müssen bewusst zivilgesellschaftliche Dynamiken und demokratische Organisationsmodelle entwickelt werden. Jugendorganisationen sollten unter Berücksichtigung der heutigen multiethnischen Gesellschaftsstruktur konzipiert werden. Mit diesem Bewusstsein müssen sich die migrantische Jugend und die Jugend Europas sowie Deutschlands im Allgemeinen in einer dauerhaften Verbundenheit organisieren.
Es steht außer Frage, dass Organisationen, die durch diesen Zusammenhalt entstehen, in der Zukunft gesellschaftliche Erfolge erzielen werden. Wichtig ist es, die Entwicklungen in der Gesellschaft richtig zu analysieren und entsprechende Organisationsmodelle zu entwickeln.