Von: Cumali Yağmur
In Deutschland geborene Migrantenjugendliche nach dem Jahr 2000 besitzen die doppelte Staatsbürgerschaft. Türkische und kurdische Jugendliche stehen heute vor einem ernsthaften Wehrpflichtproblem. Aufgrund des in der Türkei praktizierten Systems des „Wehrdienstes gegen Devisenzahlung“ müssen diese Jugendlichen derzeit etwa 8.000 € zahlen, um vom Militärdienst befreit zu werden.
Dieser von den Jugendlichen geforderte Betrag ist eine sehr hohe Summe. Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit unter türkischen und kurdischen Jugendlichen sind viele von ihnen nicht in der Lage, dieses Geld zu bezahlen. Insbesondere für Familien mit zwei oder drei Söhnen ist es fast unmöglich, diese finanzielle Last zu stemmen. Es entspricht nicht der Lebensrealität, dass ein Jugendlicher, der sich in der Berufsausbildung befindet oder studiert, 8.000 € zahlt.
Diese Situation führt dazu, dass die türkische Regierung die Jugendlichen wirtschaftlich regelrecht in die Enge treibt. Die Jugendlichen wollen die Verbindung zum Herkunftsland ihrer Familien nicht abbrechen; sie möchten zumindest in den Ferien dorthin reisen und ihre Verwandten besuchen. Da die Regierung jedoch keine andere Erleichterung bietet, sehen sich die Jugendlichen gezwungen, die türkische Staatsbürgerschaft aufzugeben, um dieser finanziellen Last zu entgehen.
Früher lag diese Gebühr bei etwa 1.000 €, und die Jugendlichen konnten durch die Zahlung dieses angemessenen Betrags eine Entlassungsbescheinigung erhalten, ohne den Wehrdienst antreten zu müssen. Anstatt dieses Problem zu lösen, bereitet die Regierung den Jugendlichen Schwierigkeiten. Wenn ein Staat seinen eigenen jungen Bürgern solche Hürden in den Weg legt, drängt er sie dazu, sich von der Staatsbürgerschaft loszusagen. Dies zeigt, dass der Staat seine Pflicht gegenüber seinen Bürgern nicht in vollem Umfang erfüllt. Die türkische Regierung sollte dieses Thema erneut prüfen und die Gebühr wieder auf das Niveau von 1.000 € senken, damit die Jugendlichen nicht gezwungen sind, aus der Staatsbürgerschaft auszuscheiden.
Die Logik hinter der Erhöhung dieses Betrags ist schwer nachzuvollziehen. Aus Sicht des türkischen Staates, dem hierbei keine Kosten entstehen, gibt es keinen rechtfertigenden Grund für eine derart drastische Erhöhung. Falls versucht wird, Haushaltsdefizite mit diesen Geldern auszugleichen, ist dies ein großer Irrtum.