Cumali Yağmur / Hannover
Es ist schon viele, viele Jahre her… Wir lernten uns in Stuttgart in der Gruppe „Immi Grün“ (Immigranten-Grüne) kennen. An unserer Seite waren viele wertvolle Gruppenmitglieder, deren Namen ich hier gar nicht alle aufzählen kann. Wir alle waren sehr jung; unser Ziel war es, innerhalb der „Immi Grün“-Gruppe der Grünen die Probleme der Migranten in der Öffentlichkeit und im Parlament zu vertreten. Unsere sehr geschätzte Claudia Roth stand uns jederzeit und überall zur Seite. Sie hat uns sehr geholfen; als wegweisende Persönlichkeit waren wir ihr von ganzem Herzen verbunden.
Wir haben dir immer aufmerksam zugehört, wenn du mit deinem berühmten schwäbischen Akzent gesprochen hast. Wir waren fest davon überzeugt, dass das Thema Migration eine bleibende Aufgabe ist und die Grünen hierfür die richtigste und konsequenteste Politik verfolgen.
Du hast meine Kandidatur für den Hessischen Landtag von ganzem Herzen unterstützt. In unserem Archiv der Zeitschrift „Fremdeninfo“, die wir gemeinsam herausgegeben haben, finden sich noch heute Artikel, die du in jungen Jahren geschrieben hast.
Während die Jahre vergingen, haben wir dich als „jenen Jungen“, den ersten Menschen mit Migrationshintergrund im Bundestag, verabschiedet. Wir waren erfüllt von großem Stolz, dass du einer der ersten gewählten Bundestagsabgeordneten mit Einwanderungsgeschichte warst. Auf deinem Weg gab es einen Moment des Strauchelns, du hast dich kurzzeitig zurückgezogen, doch dann hast du deinen Weg als Europaabgeordneter fortgesetzt. Als wir dich später zum Bundesvorsitzenden der Grünen wählten, hast du eine hervorragende Arbeit geleistet; du wurdest erneut zur Stimme, zum Ohr und zum Sprachrohr der Migranten.
Nach deiner Rückkehr in den Bundestag hast du, getragen vom demokratischen Glauben der Grünen, die Verabschiedung der Resolution zum Völkermord an den Armeniern von 1915 vorangetrieben. Wir waren erfüllt von Stolz, als wir deine Rede dazu hörten. Wir waren immer stolz auf deine wertvolle politische Haltung zur Demokratie, zu Migrationsfragen und zur Verurteilung von Genoziden – wo auch immer auf der Welt sie geschehen sind.
Du warst der erste Mensch mit Migrationshintergrund, der in den Rang eines Bundesministers aufstieg. Und nun bist du – erneut als ein „Erster“ – als Ministerpräsident von Baden-Württemberg in die politische Geschichte eingegangen (bzw. stehst kurz davor).
Ich habe keinen Zweifel daran, dass du auch diese Aufgabe erfolgreich meistern wirst. Du wirst auch in diesem Amt deine Spuren hinterlassen und dir in der politischen Arena einen Namen machen. Ich wünsche dir von ganzem Herzen viel Erfolg bei deiner neuen Aufgabe.