Von: İsa Turan
Während die Welt ihre Augen auf Venezuela, die Ukraine und teilweise auf Gaza gerichtet hat, spricht in Aleppo wieder einmal der Tod. In den überwiegend von Kurden bewohnten Stadtteilen Scheich Maksut (Şeyh Maksut) und Aschrafiyya (Eşrefiyye) übertönen Schüsse die Stimmen der Kinder; die Straßen verdunkeln sich durch das Blut Unschuldiger. Die durch schwere Waffen vertieften Kämpfe begraben jeden Tag neue Menschenleben unter den Trümmern.
Diese Angriffe sind nicht nur ein bloßes Kriegsszenario; sie sind ein klares Zeichen für eine gefährliche Tendenz hin zu einer ethnisch begründeten Säuberung des kurdischen Volkes. Die sogenannten politischen Transformationen, die in Syrien im Gange sind, zerstören jegliche Aussicht auf eine gerechte Lösung, anstatt die legitime Existenz und die Rechte der Kurden anzuerkennen. Die Hoffnung wird einmal mehr unter den Ruinen begraben.
Die Geschichte hat immer wieder gezeigt: Gewalt hat noch kein Volk zum Frieden geführt. Frieden wird nicht durch Waffen, sondern durch Politik geschaffen; nicht durch Verleugnung, sondern durch Dialog; nicht durch Drohungen, sondern durch gegenseitige Anerkennung. Diese Verantwortung liegt nicht allein bei den Kurden oder der SDF (SDG). Von der syrischen Übergangsregierung bis zu den Vereinigten Staaten, von der Türkei bis zu ihrer lokalen Vertretung, der SNA (SMO), sind alle Teil dieses Bildes. In keiner Gleichung, in der die Waffe den Platz der Politik einnimmt, ist Gerechtigkeit oder Beständigkeit möglich.
Was in Aleppo geschieht, ist inakzeptabel. Die andauernde Gewalt treibt das Leben unschuldiger Menschen jeden Tag ein Stück näher an den Abgrund; die Gefahr ethnisch motivierter Angriffe gegen Kurden wächst mit erschreckender Klarheit. Keine politische Kalkulation kann über das Leben von Zivilisten gerechtfertigt werden. Die Existenz eines Volkes darf nicht Gegenstand von Verhandlungen sein.
Diese wahllosen Angriffe mit schweren Waffen kosten nicht nur Menschenleben; sie entreißen die Menschen ihrer Heimat, ihrem Gedächtnis und ihrer Zukunft. Dennoch gibt es bisher weder aus Damaskus noch von den beteiligten Mächten eine klare Erklärung, um die Angriffe vor Ort zu stoppen. Dieses Schweigen ist nicht unschuldig; Schweigen bedeutet Mitschuld.
Die Rechte der Kurden und der Bestandteile der SDF müssen sofort garantiert werden. Jeder, der sich in Syrien als Partei sieht und den Anspruch auf ein demokratisches und pluralistisches Land erhebt, ist verpflichtet, die legitimen Forderungen der Kurden anzuerkennen und in dieser Hinsicht konkrete Schritte zu unternehmen. Die erste Bedingung für Aufrichtigkeit ist das Schweigen der Waffen. Die Besatzung in Rojava (Westkurdistan) muss enden; das Wort muss die Drohung und der Dialog die Verleugnung ersetzen. Andernfalls ist das Recht auf legitime Selbstverteidigung des kurdischen Volkes unvermeidlich.
Die Völker in Westkurdistan wollen ihr Schicksal nicht an den Tischen anderer, sondern durch ihren eigenen Willen bestimmen. Sie wollen selbst entscheiden, wie sie leben und wie sie regiert werden. Es gibt keine Kraft mehr, die diesen Willen in Ketten legen könnte.
Das Paradoxon ist offensichtlich: Während Angriffe auf die kurdische Minderheit von einigen Staaten verurteilt werden, werden gleichzeitig die Politiken unterstützt, die diese Angriffe flankieren. Es ist ein großer Widerspruch, gleichzeitig eine Verurteilung auszusprechen und eine Belagerung voranzutreiben.
Die Angriffe auf Aschrafiyya und Scheich Maksut sind keine Einzelfälle. Sie sind Teil eines organisierten Modells von Gewalt und ethnischer Säuberung, das sich gegen Kurden, Aleviten, Drusen, Christen und andere indigene Gemeinschaften richtet. Dieses Modell wird nicht nur nicht gestoppt, sondern zeigt die Tendenz, sich auf neue Gebiete auszubreiten.
Organisierter Terror, Hassrede und Straflosigkeit stellen eine existenzielle Bedrohung für die indigenen Völker Syriens dar. Diese Bedrohung gefährdet nicht nur Syrien, sondern auch den regionalen und internationalen Frieden. Jeder, der vorgibt, gegen Terror und ethnische Säuberungen zu sein, muss den Widerstand der Kurden und ihr Recht auf legitime Selbstverteidigung offen anerkennen.
Die Verantwortung für diese Verbrechen liegt nicht nur bei den bewaffneten Gruppen vor Ort. Auch die politischen Strukturen, die sie leiten, schützen und unterstützen, sind die direkten Verursacher dieser Dunkelheit. Die Verantwortung darf nicht allein auf den Schultern der Menschen in der Region belassen werden. Die Vereinten Nationen, die Europäische Union und die internationale Gemeinschaft müssen sofort handeln. Die Beendigung der Angriffe, der Schutz von Zivilisten unter wirksamen Garantien und der Beginn eines inklusiven politischen Prozesses sind eine unaufschiebbare Notwendigkeit.
Die Europäische Union muss die bedingungslose wirtschaftliche und politische Unterstützung für die syrische Übergangsregierung sofort einstellen, solange die Angriffe auf Zivilisten andauern.
Was in Aleppo geschieht, ist eine Frage, die sich nicht nur an das Gewissen der Kurden, sondern an das der gesamten Menschheit richtet. Diejenigen, die heute schweigen, werden morgen mit der Verantwortung für dieses Schweigen konfrontiert werden.
Im Namen der Menschenwürde,
Im Namen des Rechts,
Im Namen des Friedens…