Insolventer Integrationsverein hat auch Zuschüsse von der Region kassiert

von Cumali Yağmur

 

Von:Andreas Schinkel /Haz 

und Stefanie Helbig / Haz 

Dem Verein von SPD-Frau Hülya Iri wurden mehr als 1,2 Millionen Euro Fördergeld aus verschiedenen Töpfen bewilligt. Behörden prüfen, wo das Geld geblieben ist.

Der Vorgang verursacht noch immer Kopfschütteln, vor allem bei ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern: Einem Integrationsverein im Stadtteil Bemerode wurde über einen Zeitraum von sieben Jahren Fördergeld von insgesamt mehr als 1,2 Millionen Euro für Integrationsprojekte bewilligt – jetzt meldet der Verein Insolvenz an. Aus welchen überwiegend staatlichen Töpfen SPD-Frau Hülya Iri, Gründerin des Vereins Integrationsarbeit Kronsberg, Zuschüsse akquiriert hat, wird jetzt allmählich bekannt. So hat der Verein nicht nur Fördergeld von Bund und Land erhalten, sondern auch von der Region Hannover. In der SPD wächst derweil der Ärger über die ehemalige Ratsfrau Iri, die inzwischen ihr Mandat niedergelegt hat.

Region bewilligt rund 9000 Euro

Gegründet hat Iri ihren Verein im September 2018. Bereits im darauffolgenden Jahr flossen die ersten Gelder. So teilt die Regionsverwaltung jetzt auf Nachfrage dieser Redaktion mit, dass dem Verein im Jahr 2019 eine Fördersumme von 9078 Euro für das Projekt „Arbeitsmarktintegration für alleinerziehende Frauen mit Migrationshintergrund“ bewilligt wurde. Zuschüsse für zwei weitere, in späteren Jahren beantragte Vorhaben des Vereins hat die Regionsverwaltung abgelehnt.

Auch hat die Volksbank Hannover Iris Verein in den Anfangsjahren mit einer Summe von 1000 Euro unterstützt. „Uns fehlt das Geld an allen Ecken und Kanten“, sagte Iri damals gegenüber dieser Redaktion. Von dem Geld wolle sie neue Stühle und Tische kaufen.

Wurden Projekte doppelt bezuschusst?

Zudem hat der Verein am Kronsberg von 2019 bis 2026 Fördergeld vom Land in Höhe von insgesamt rund 350.000 Euro bewilligt bekommen. Von Anfang 2023 bis Ende 2025 hat der Bund eine Summe von knapp einer Million Euro zugesagt. Da sich die Förderzeiträume von Region, Land und Bund überschneiden, stellt sich die Frage, ob manche Projekte doppelt bezuschusst wurden – und das wäre unzulässig. Behörden in Bund und Land prüfen jetzt die Vorgänge.

Auch hat sich Iri für ihre ehrenamtliche Ratsarbeit Verdienstausfälle von der Stadt Hannover erstatten lassen. Das ist rechtlich möglich. Wer Gehaltseinbußen hinnehmen muss, weil er oder sie an Ausschuss- und Fraktionssitzungen teilnimmt, bekommt einen Ausgleich von bis zu 2400 Euro im Monat aus der Stadtkasse. Für welche Art von Tätigkeit in ihrem Verein Iri den Verdienstausfall in Anspruch genommen hat, bleibt bisher unklar. Kernfrage ist weiterhin: Wo ist das ganze Geld geblieben?

Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer aus dem Viertel berichten, dass nach ihren Beobachtungen „wenig los“ gewesen sei in den Räumen des Vereins am Jakobskamp. Der Verein unterhält keine eigene Website, die auf bestehende oder in der Vergangenheit durchgeführte Projekte für Migranten und Migrantinnen hinweist. Große Veranstaltungen, etwa „Sport Kronsberg – Kampf gegen Antisemitismus“ mit angeblich 45 Workshops und Sportkursen, haben im Internet keine Spuren hinterlassen. Für dieses Vorhaben hat das Land rund 55.000 Euro bewilligt. Das Landessozialamt betont, dass man die Verwendung der Fördermittel geprüft habe. „Die ordnungsgemäße Verwendung der Mittel wird in jedem Haushaltsjahr durch die Vorlage eines zahlenmäßigen Nachweises sowie eines Sachberichts belegt und einer sachgemäßen Prüfung unterzogen“, sagt ein Behördensprecher.

Für Hülya Iri gilt die Unschuldsvermutung. Sie hat sich inzwischen anwaltlichen Beistand geholt. „Die derzeitige Situation des Vereins ist Gegenstand laufender Prüf- und Klärungsprozesse“, teilt Rechtsanwalt Dogukan Isik mit. Die Prüfungen zu den bewilligten Fördermitteln dienten der transparenten und vollständigen Aufklärung. „Eine unnötige Schärfe in der öffentlichen Diskussion sollte vermieden werden“, sagt Isik im Hinblick auf seine Mandantin.

Unmut in der SPD

In der SPD löst der Wirbel um den Verein von Parteigenossin Iri Unmut aus. „Es gab immer wieder Kritik an Iri. Das hätte man ernst nehmen müssen“, sagt ein langjähriger Sozialdemokrat. Dem Vernehmen nach hat die SPD-Ratsfraktion bereits 2023 einen ersten Hinweis erhalten, dass es Unregelmäßigkeiten in Iris Verein geben solle.

Quellenangabe: HAZ vom 09.04.2026, Seite 20

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