Artikel von Axel Wolfsgruber/ Focus-online
Die CDU ist von allen Parteien im Bundestag im schlechtesten Zustand“, analysiert Gregor Gysi. „Das hätte es unter Helmut Kohl nicht gegeben.“ Der Bundestagsabgeordnete der Linken sitzt bei „Maischberger“ und drischt auf die Union ein, als gäbe es für die Partei keinen Morgen mehr. Den Bundeskanzler nimmt er dabei besonders in Visier: „Merz strahlt weder Lebensfreude noch Glück aus. Das überträgt sich. Er macht so ein mieses Gesicht, dass man selbst schlechte Laune bekommt.“
Eigene Fehler verharmlosen
Bei Gregor Gysi ist die Übertragung der schlechten Merz-Laune offenbar vollends gelungen. Er presst die Lippen aufeinander und schaut angewidert in die Runde. Natürlich weiß der Linke, dass er und seine Partei wegen antisemitischer und israelfeindlicher Tendenzen angreifbar sind. Auch die Nähe zu Clan-Mitgliedern der Linken ist sehr erklärungsbedürftig und erschwert die aktuelle Regierungsbildung in Berlin. Doch Gysi macht, was er immer macht: auf die Anderen zeigen und die eigenen Fehler verharmlosen.
Issa Remmo „war auch schon bei der CDU“
„Meine Partei gehört einem verbrecherischen Clan an“, scherzt Gysi, als ginge es nicht um eine sehr ernste Sache. Issa Remmo, einer der bekanntesten Clan-Chefs in Berlin, sei eben im September auf der Wahlparty der Linken „zu Besuch gekommen“. „Sie haben ihn rausgeschmissen. Der war aber auch schon bei der CDU.“ Ferat Koçak, Bundestagsabgeordneter der Linken aus Berlin-Neukölln, der offenbar engeren Kontakt zu dessen Sohn unterhält, habe „einen Fehler gemacht“. „Das werden wir aufklären. Das ist eine Einzelperson.“
Da sind einige, die uns missbrauchen wollen“
Gregor Gysi tut so, als ginge es um Einzelfälle und Probleme, die die Partei schnell aus der Welt räumen könne. Vorausgesetzt: Sie will es überhaupt. Denn tatsächlich scheint das Thema eher struktureller Natur zu sein. In der Berliner Linken gab es wiederholt derartige Konflikte, Austritte von prominenten Realpolitikern und Skandale um israelfeindliche Äußerungen im Wahlkampf. Zudem gibt es Verbindungen zu extremistischen Gruppierungen.
Gregor Gysi erklärt das so: „2025 haben wir viele neue Mitglieder bekommen. Da sind einige mitgekommen, die uns missbrauchen wollen.“ Man sei aber nie „in der Nähe von irgendwelchen antisemitischen Vorwürfen gewesen“.
Linke will den Systemwechsel
Aber auch die erklärten politischen Ziele der Linken, machen die Partei zu einem unangenehmen – und für viele auch unmöglichen – Koalitionspartner in Berlin. So fordert die Partei einen radikalen Systemwechsel, wie die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen, und lehnt die NATO und westliche Bündnisse ab.
Kein Interesse an Maßnahmen
Zugleich ist die Linke offenbar nicht bereit, etwas gegen die Vorwürfe von Antisemitismus und zu großer Nähe zur Organisierten Kriminalität zu tun. Die Selbstreinigungskräfte der Partei funktionieren offenbar nicht.
Gysi erklärt: „Regierungsgespräche können nicht so laufen, dass man uns zwölf Namen nennt, die wir ausschließen müssen. So funktioniert das nicht. Das müssen wir von uns aus machen.“
Das Problem ist nur: Die Linke hat offenbar keinerlei Interesse daran, die Stube besenrein auszufegen.