Generation Z: Warum immer mehr Jugendliche das Studium meiden

von Fremdeninfo

 

Artikel von Martin Wald / Business Punk

mmer mehr junge Menschen der Generation Z entscheiden sich gegen ein Studium. Schulen bieten oft keine Alternativen an. Zeit für ein Umdenken, sagen Experten.

Immer mehr junge Menschen der Generation Z entscheiden sich gegen ein Studium. Die Gründe sind vielfältig: hohe Kosten, unklare Berufsaussichten und fehlende Alternativen. Doch was passiert, wenn Schulen nicht genügend Informationen über andere Wege bereitstellen? Einblicke in eine wachsende Bewegung und die Forderung nach mehr Aufklärung.

Gen Z hält Studium nicht unbedingt für nötig

LeLaina Wakeham hat es vorgemacht. Seit sechs Jahren arbeitet sie in einem Vollzeitjob, für den kein Hochschulabschluss notwendig war und der ihr Spaß macht, wie sie gegenüber „Business Insider“ schildert. Ihre Entscheidung, nicht zu studieren, wurde stark durch ihren Vater beeinflusst. Der geborene Mexikaner brachte sich nach einem Umzug in die Staaten im Alter von fünf Jahren „so ziemlich alles selbst bei“. Ohne Highschool- oder College-Abschluss gründete er mehrere erfolgreiche Firmen und konnte sich und seine Familie finanziell absichern. „Er wollte wirklich, dass wir gebildet sind. Er legte nur keinen Wert darauf, dass wir aufs College gehen“, sagt Wakeham zu „Business Insider“. Er hielt seine Kinder dazu an, sich zu informieren, Bücher zu lesen, Interessen zu entwickeln und diese zu verfolgen.

Die Realität an den Highschools

Während ihres letzten Highschool-Jahres führte Wakeham ein Forschungsprojekt durch, das zeigte, dass viele Menschen ihre College-Abschlüsse nicht nutzen. „Mir wurde klar, dass ich bereits mit dieser Entscheidung gerungen hatte, und ich wusste nicht, was ich werden wollte. Ich wusste nicht, was ich machen wollte, und ich wollte nicht zu viel Geld verschwenden, wenn ich studieren würde“, sagte sie. Dieses Projekt hätte ihre Entscheidung, nicht zu studieren, sondern eine Ausbildung zu machen, bestätigt.

Fehlende Unterstützung und Beratung

Wakeham empfand ihren Schulleiter nicht als Hilfe, als sie einen alternativen Weg in Betracht zog. Sie zeigte Eigeninitiative und lernte fleißig, um ihre Lizenz für Hypothekenkredite zu erhalten. Wakeham arbeitet heute Vollzeit im Immobilienbereich – ohne je studiert zu haben.

Trotz der Vorteile eines Studiums entscheiden sich immer mehr junge Menschen dagegen. Viele empfinden es als schwierig, Informationen zu einem alternativen Karriereweg zu erhalten, geschweige denn dafür Unterstützung zu finden. Zach Hyrnowski, leitender Bildungsforscher von Gallup, erklärt gegenüber „Business Insider“, dass es an mangelnden Ressourcen und strukturellen Einschränkungen liegen könnte. „Wenn man für die Zukunft von 500 Schülern verantwortlich ist, verstehe ich, dass es vielleicht nicht sinnvoll ist, für jeden einzelnen von ihnen maßgeschneiderte Optionen zu finden und wirklich in die Tiefe gehen zu können“, sagt Hyrnowski.

Langfristige Vorteile des Studiums

Trotz der Skepsis gegenüber dem Studium zeigen Daten des US Census Bureau, dass die Einschreibungsrate von Highschool-Absolventen im Oktober 2023 bei 61,4 Prozent lag. In Deutschland waren im Studienjahr 2023/2024 insgesamt 805.703 Studentinnen und Studenten im ersten Fachsemester eingeschrieben. Zwei Jahre zuvor lag die Zahl noch bei 815.141. Studieren ist für die Gen Z in der heutigen Zeit also immer noch der beste Weg. Das könnte jedoch daran liegen, dass junge Erwachsene, die eine Ausbildung oder ähnliches einschlagen wollen, schlechter angeleitet werden.

Alternative Karrierewege und deren Potenzial

Ein Bericht von Gallup und der Walton Family Foundation zeigte: 68 Prozent der befragten Gen Zler gaben an, dass man mit ihnen „viel“ über ein Studium gesprochen hat. Weniger als ein Viertel gab jedoch an, dass über alternative Karrierewege gesprochen wurde.

Hannah Maruyama, Co-Autorin von „The Degree Free Way“, betont gegenüber „Business Insider“ die Notwendigkeit, das Gespräch zu suchen und Schülern zu helfen, über Berufe zu lernen, die keine Hochschulausbildung erfordern. „Es ist viel wahrscheinlicher, dass die Menschen mit ihrem Leben glücklich und zufrieden sind und Wege finden, die ihnen wirklich helfen, so zu leben, wie sie es wollen, wenn die Berufe, die sie wählen, tatsächlich dazu passen, wie sie ihr Leben Tag für Tag, Woche für Woche gestalten wollen“, sagte sie.

Forderung nach mehr Aufklärung und Unterstützung

Wakeham hofft, dass andere Angehörige der Gen Z ein besseres Hintergrundwissen haben als sie, wenn es um die Entscheidung zwischen einer Ausbildung oder eines Studiums geht.

„Als 18-Jähriger weiß man nicht, was einen glücklich macht, aber ich würde sagen, dass man sich die Zeit nehmen sollte, um herauszufinden, was einen glücklich macht, was man mag und wofür man sich begeistert, und das dann tun“, sagt Wakeham. Doch es findet ein Wandel statt: Das Bureau of Labor Statistics prognostiziert, dass zwischen 2020 und 2030 zum Beispiel 60 Prozent der neuen Arbeitsplätze in der Wirtschaft keinen Hochschulabschluss mehr erfordern werden.

Business Punk Check

Das Bildungssystem verkauft der Gen Z eine Lüge: Studium oder Scheitern. Dabei zeigen die Zahlen das Gegenteil. 60 Prozent der Jobs bis 2030 brauchen keinen Abschluss, aber 68 Prozent der Schüler hören nur von der Uni. Das ist kein Zufall, sondern strukturelles Versagen. Schulen und Berater klammern sich an ein Modell, das für viele nicht mehr funktioniert – aus Bequemlichkeit oder fehlenden Ressourcen. Die Konsequenz: Talente gehen verloren, weil niemand ihnen zeigt, dass es andere Wege gibt. Unternehmen, die jetzt auf Quereinsteiger und alternative Qualifikationen setzen, sichern sich einen Wettbewerbsvorteil. Wer weiter nur auf Abschlüsse starrt, verpasst eine ganze Generation an motivierten, praxisorientierten Talenten. Die Frage ist nicht, ob das System sich ändert – sondern wer zuerst davon profitiert.

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