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Eine kurze Reise durch die russische Literatur

von Fremdeninfo 17 Juni 2026
von Fremdeninfo 17 Juni 2026
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Von: İSKAN TOLUN / Köln

Diesmal werde ich kurz auf die faszinierende und beeindruckende Literatur des Zarenreichs, des mit der Oktoberrevolution von 1917 gegründeten kommunistischen Regimes der Sowjetunion und des nach dem Zerfall der neunziger Jahre entstandenen Russlands eingehen. Geschichte und Literatur sind untrennbar miteinander verbunden; denn Schriftsteller – insbesondere russische – haben ihre Werke stets unter dem Druck von Zensur und in den turbulenten politischen Prozessen verschiedener Regime geschaffen. Diese Situation ist freilich auch in vielen anderen Ländern der Welt zu beobachten.

Russische Autoren, deren Werke ich mit großem Vergnügen gelesen habe: Puschkin, Gogol, Gorki, Turgenew, Tschechow, Tolstoi und Dostojewski. Diese waren einst auch in der Türkei verboten. Wer ihre Werke las, wurde entweder des Kommunismus oder der Spionage für Russland bezichtigt. Auch berühmte Autoren wie Yaşar Kemal oder Aziz Nesin hatten in dieser Hinsicht mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Wie dem auch sei. Es gibt noch einen russischen Autor, dessen Namen ich oft gehört, dessen Werke ich aber noch nicht gelesen habe (meine Bestellung hat sich verzögert), und auf den ich sehr neugierig bin: Alexander Issajewitsch Solschenizyn. Als Träger des Literaturnobelpreises, der die unverzichtbaren Traditionen der russischen Literatur fortführte, kritisierte er das totalitäre Regime mutig:

„Wir wissen, dass sie lügen!
Sie wissen, dass sie lügen!
Sie wissen, dass wir wissen, dass sie lügen!
Wir wissen, dass sie wissen, dass wir wissen, dass sie lügen!
Und trotzdem lügen sie weiter!“

(Ich ärgere mich heute darüber, dass ich bisher nicht auf die Werke dieses wertvollen und mutigen Autors gestoßen bin.)

Man kann sagen, dass die Grundmerkmale russischer Schriftsteller mehr oder weniger identisch sind. Die Autoren behandeln in der Regel die inneren Konflikte der Charaktere, ihre philosophische und psychologische Tiefe. Sie stellen moralische Fragen, existenzielle Krisen usw. in das Zentrum ihrer Erzählungen und bringen die gesellschaftliche Realität, das Leben des Volkes, Armut, Bürokratie und Klassenschranken auf eine schlichte, aber eindringliche Weise zum Ausdruck. Es zeigt sich, dass sie die Weltkultur tiefgreifend beeinflusst haben – durch Werke, die den Fokus auf seelische Tiefe, Realismus und die Schmerzen der Revolution legen, geprägt durch die gewaltige Geografie des Landes, das raue Klima und die Übergangsprozesse vom Feudalismus zum Kaiserreich bis hin zur Sowjetunion.

Ja, es ist bekannt, welche Schwierigkeiten es in Russland gab, sei es während der Sowjetzeit oder zur Zeit des Zarenreichs, und ebenso bekannt ist die Qualität der Werke, die aus diesen Qualen hervorgingen. Dies wird umso deutlicher, je mehr man die Werke der besagten Autoren liest.

Trotz aller Hindernisse besitzt die russische Literatur, die sich vom 11. Jahrhundert bis heute entwickelt hat und vor allem mit dem „Goldenen Zeitalter“ im 19. Jahrhundert sowie dem darauf folgenden „Silbernen Zeitalter“ (1890–1920) eine enorme Qualität erreichte, ein reiches Erbe, das seinen Platz an der Spitze der Weltklassiker behauptet. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass sie diesen Reichtum auch heute noch bewahrt.

Natürlich spielten Kritiker eine der wichtigsten Rollen beim Erfolg dieser wertvollen Autoren. Einer von ihnen ist Belinski, der Dostojewski entdeckte. Belinski, der als das Gewissen der russischen Literatur galt, schloss leider bereits in jungen Jahren (mit 36) seine Augen für immer. Er las Dostojewskis ersten Roman „Arme Leute“, pries ihn in den höchsten Tönen und hob ihn so an die Spitze der russischen Literatur. Als einer der einflussreichsten und wichtigsten Kritiker der russischen Literaturgeschichte spielte Belinski eine gigantische Rolle bei der Gestaltung des intellektuellen Lebens im Russland des 19. Jahrhunderts und beim Ruhm der jungen Autoren jener Zeit.

Im „Goldenen Zeitalter“ gelten Autoren wie Puschkin, Gogol und Turgenew als die Begründer der modernen russischen Literatur. Von Gogol und Turgenew habe ich jeweils ein oder höchstens zwei Werke gelesen. Von Puschkin hingegen kann ich sagen, dass ich viele verschiedene Werke mit Genuss gelesen habe – natürlich auch sein „Geheimes Tagebuch“, das für große Diskussionen und Spekulationen sorgte.

Obwohl Tolstoi vor allem für Monumentalwerke wie „Krieg und Frieden“ oder „Anna Karenina“ bekannt ist, finde ich seinen Roman „Auferstehung“ weitaus beeindruckender. Ich habe ihn vor Jahren gelesen, und er ist mir immer noch frisch im Gedächtnis geblieben. In der Tat ist dieser Roman unvergesslich.

Und Dostojewski hat sich mit unvergesslichen Werken wie „Schuld und Sühne“ oder „Die Brüder Karamasow“ unauslöschlich in das Gedächtnis eingebrannt. Orhan Pamuk sagte in einem Interview: „Die Brüder Karamasow ist der Roman des Jahrtausends.“ Ja, er steht an der Spitze der eindringlichsten Werke der geschriebenen Literatur – jenem gemeinsamen Erbe der Menschheit, in dem Gefühle, Gedanken und Träume durch die Sprache ästhetisch und wirkungsvoll ausgedrückt werden. Dieser Roman, der den Gipfel von Dostojewskis künstlerischer Kraft darstellt, hat den Charakter eines Epos. Dostojewski hat in den „Brüdern Karamasow“ die Weltliteratur wie in einem künstlerischen Spiegel reflektiert. Er nimmt eine Familie zum Thema, taucht tief in die Abgründe der menschlichen Seele ein, und die Kette der katastrophalen Ereignisse nimmt kein Ende. „Die Brüder Karamasow“ ist wahrlich der Roman des Jahrtausends!

Und schließlich Tschechow, der das „Silberne Zeitalter“ – also die Zeit der Moderne und des Symbolismus sowie die Sowjetära – mit seinen Theaterstücken prägte: Diese Woche habe ich Tschechows Buch „Der Bär – Neun Einakter“ mit Vergnügen gelesen. Ich möchte sogleich anmerken: Tschechows Stücke stehen denen des berühmten Shakespeare in nichts nach. Vor allem die namensgebende Komödie „Der Bär“ ist unvergesslich. Popova und Smirnov, die in diesem einzigartigen und charmanten Stück auftreten, bringen das Publikum mit ihrem Witz zum Rasen. Beim Lesen fühlte ich mich, als würde ich sie live in einem Theater erleben. Tschechow hat dieses Stück wirklich exzellent konstruiert. Ein kurzes Zitat vom Buchrücken:

Er hat die alltäglichen Ereignisse des Lebens mit seinem ganz eigenen, schlichten, aber ebenso beeindruckenden Stil auf die Bühne gebracht und damit die Worte Tolstois über ihn bestätigt: „Tschechow ist ein unvergleichlicher Maler des Lebens.“

Als ich den Artikel beendete, legte ich eine kurze Pause ein, um ihn noch einmal durchzusehen. Dabei fiel mir auf YouTube zufällig ein kurzes Video mit dem Titel „Es gibt 72 Millionen Kurden auf der Welt“ auf. Tobias Huch hielt dort, wie immer, eine gerechte und beeindruckende Rede. Ich habe es mir mehrmals angesehen.

Dieser Artikel ist dem geschätzten Journalisten Tobias Huch gewidmet!

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