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1992 wurde die beschauliche Kleinstadt Mölln zum bundesweiten Symbol des Ausländerhasses:

von Fremdeninfo 15 November 2017
von Fremdeninfo 15 November 2017
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1992 wurde die beschauliche Kleinstadt Mölln zum bundesweiten Symbol des Ausländerhasses:

 

Von Michael Althaus

Bei rechtsextremen Anschlägen starben drei Menschen. Die Erinnerung ist weiter wach, wird aber von einem Streit getrübt

„In der Ratzeburger Straße brennt ein Haus! Heil Hitler!“, meldet ein anonymer Anrufer in der Nacht auf den 23. November 1992 der Polizei in Mölln. Zuvor sind Molotow-Cocktails auf das von mehreren türkischen Familien bewohnte Gebäude in der schleswig-holsteinischen Kleinstadt geflogen, das nun lichterloh in Flammen steht. Alle Bewohner können sich ins Freie retten, werden aber zum Teil schwer verletzt. Als kurze Zeit später ein zweites Haus brennt, kommt für einige Bewohner jede Hilfe zu spät: Die 10-jährige Yeliz Arslan, ihre 14-jährige Cousine Ayse Yilmaz sowie die 51 Jahre alte Großmutter der beiden, Bahide Arslan, sterben in den Flammen. „In der Mühlenstraße brennt es. Heil Hitler!“, heißt es in einem weiteren Anruf.

Mit den Anschlägen erreicht die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland einen neuen Höhepunkt. Die Zahl der Asylanträge ist 1992 auf über 400.000 gestiegen, die Stimmung in der Gesellschaft heizt sich zunehmend auf, Ausländerhass macht sich breit in der Republik. Schon drei Monate vor den Ereignissen in Mölln hat ein rechter Mob ein Asylbewerberheim in Rostock-Lichtenhagen belagert, wie durch ein Wunder ist niemand zu Tode gekommen.

Nun sterben bei einem fremdenfeindlichen Übergriff erstmals Menschen. Die beschauliche „Eulenspiegel-Stadt“ Mölln wird zum Sinnbild des Ausländerhasses. Ein halbes Jahr später sterben bei einem Anschlag auf ein Zweifamilienhaus im nordrhein-westfälischen Solingen fünf Menschen türkischer Herkunft.

Die Täter von Mölln sind der Polizei bereits als Angehörige der örtlichen Neonazi-Szene bekannt und werden wenige Tage später festgenommen. Der 19-jährige Haupttäter Lars C. wird zu einer Jugendstrafe von 10 Jahren verurteilt, sein 25-jähriger Komplize Michael P. bekommt lebenslänglich. Beide sind inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Heute erinnern eine Gedenktafel und ein Holzbalken mit stilisierten Flammen am Brandhaus in der Mühlenstraße an das schreckliche Ereignis. Eine benachbarte Straße wurde nach Bahide Arslan benannt. Am Jahrestag der Anschläge veranstaltet die Stadt Mölln regelmäßig eine interreligiöse Gedenkfeier; zum 25. soll sie etwas größer ausfallen, erwartet werden unter anderen der türkische Botschafter, Ali Kemal Aydin, und die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz.

Fremdenfeindlichkeit sei heute kein großes Thema mehr in der 19.000-Einwohner-Stadt, sagt Bürgermeister Jan Wiegels (SPD). Eine aktive Neonazi-Szene gebe es nicht mehr, das Zusammenleben mit der rund 400 Mitglieder umfassenden türkischen Gemeinde verlaufe „unkompliziert“, ebenso die Integration der rund 400 Flüchtlinge. Das Andenken an die schrecklichen Ereignisse sei in Mölln präsent.

Nicht nur dort: Der heute 32-jährige Ibrahim Arslan, der als Siebenjähriger den Anschlag überlebte, ist in ganz Deutschland unterwegs, um die Geschichte seiner Familie zu erzählen und auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen. Seine Devise: „Jeder kennt die Täter, keiner kennt die Opfer.“ Die Betroffenen müssten mehr ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden, sagt Arslan, der im Mai dieses Jahres die bundesweit anerkannte Auszeichnung „Botschafter für Demokratie und Toleranz“ erhielt.

Über die Rolle der Opfer liegen er und ein Teil seiner Familie seit Jahren im Streit mit der Stadt Mölln. Aus ihrer Sicht habe die Stadt das Gedenken an die Anschläge für sich vereinnahmt, die Opfer würden zu wenig einbezogen. Aus dem Konflikt heraus entstand mit Unterstützung linker Gruppen die Initiative „Reclaim & Remember“, die seit 2013 eine Gegenveranstaltung zur offiziellen Gedenkfeier organisiert, die „Möllner Rede im Exil“. Dieses Jahr soll sie unter Beteiligung einer Holocaust-Überlebenden in Berlin stattfinden.

Eine Entwicklung, die der Möllner Bürgermeister bedauert. Seit Jahren stehe das Gesprächsangebot der Stadt an die Betroffenen. Selbstverständlich seien sie auch zur offiziellen Gedenkfeier eingeladen, betont Wiegels. Laut Programm nehmen Ibrahim Arslan und sein Vater die Einladung an und werden bei der Abschlussveranstaltung am Abend Reden halten. Ob es in diesem Jahr zu einer Annäherung kommt, wird sich zeigen

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