Von Turgut Öker
Ich stand 25 Jahre lang an vorderster Front des alevitischen Kampfes. Ich habe meine Jugend, meine Arbeit, meine Tage und Nächte diesem Weg gewidmet. Unter den damaligen Bedingungen glaubten wir fest daran, dass die Präsenz im türkischen Parlament als Vertreter der Institution, der ich vorstand, unserem Kampf eine neue Dynamik und Kraft verleihen würde.
Diese Entscheidung wurde nicht durch den Willen einer einzelnen Person oder überhastet getroffen. Sie wurde in all unseren Gremien diskutiert. In der Konföderation der Alevitischen Gemeinden in Europa (AABK), die ich vertrat, stimmten 98 Prozent der Delegierten mit „Ja“ für die Vertretung im Parlament. Jeden Schritt, den wir unternahmen, taten wir im Einklang mit den Werten unserer Lehre.
Auch nach der Wahl zum Abgeordneten haben wir im Alibeyköy Pir Sultan Abdal Cemevi unser „Lokma“ (gesegnete Speise) geteilt und uns mit unserem Volk getroffen, um das Einvernehmen (Rızalık) für diesen Schritt einzuholen. Erst nachdem wir unser Rızalık-Lokma gegeben hatten, gingen wir ins Parlament. Dies ist ein Novum im politischen Leben der Türkei: Erst holten wir das Einvernehmen ein, dann gingen wir ins Parlament.
Ich wollte diese Tatsache 11 Jahre später noch einmal in Erinnerung rufen, damit jene Kreise, die den „Weg“ (Yol), die Regeln (Erkân) und unsere Lehre nicht ausreichend kennen, daraus lernen können. Denn hinter jedem Schritt, den wir taten…