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Der Druck auf Kemal Kılıçdaroğlu und Necdet Saraç darf nicht ignoriert werden.“

von Cumali Yağmur 18 Juni 2026
von Cumali Yağmur 18 Juni 2026
Screenshot
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Ali Ertan Toprak

Obwohl ich politisch an völlig anderen Positionen stehe als Necdet Saraç und Kemal Kılıçdaroğlu, stehe ich ihnen angesichts der rücksichtslosen Angriffe, die gegen sie geführt werden, zur Seite (nicht politisch!).

Wie tragisch: Aleviten glauben, sie führten einen Kampf für Demokratie, indem sie sich gegenseitig (virtuell) lynchen.

Seit Wochen und besonders in den letzten Tagen beobachte ich, wie bestimmte Kreise innerhalb der alevitischen Gemeinschaft eine regelrechte Lynchkampagne gegen die beiden alevitischen Politiker Kemal Kılıçdaroğlu und Necdet Saraç führen, indem sie sie zu „Verrätern“ und „Feinden“ erklären.

Ich betrachte dies als einen äußerst unglücklichen, verletzenden und moralisch problematischen Ansatz.

Es hätte weitaus konstruktivere Ergebnisse erzielt, wenn sich die alevitische Gemeinschaft in gleichem Maße auf ihre eigenen Grundrechte, die Forderungen nach gleichberechtigter Bürgerschaft und den Kampf für Demokratie konzentriert hätte, wie sie sich in die Machtkämpfe innerhalb der CHP involviert.

Die historisch gewachsene etatistische (staatsgläubige) und monistische Tradition der CHP beim Aufbau der Nation ist offensichtlich. Diese Partei spielte eine zentrale Rolle im Gründungsprozess der modernen Türkei und trug maßgeblich zur Formung des ideologischen Rahmens des Staates bei. In diesem Zusammenhang waren auch der Gründungsprozess des Präsidiums für Religionsangelegenheiten (Diyanet) und die staatliche Kontrolle über die Religion Teil der Politik dieser Ära.

Ebenso wurde durch die Schließung der Derwisch-Konvente (Tekken und Zaviyen) die öffentliche Sichtbarkeit vieler Glaubensstrukturen, einschließlich der alevitisch-bektaschitischen Tradition, massiv eingeschränkt.

Dies sind historische Fakten, die diskutiert werden müssen.

Es ist ein ernsthafter Widerspruch, dass diejenigen, die heute den Schmerz von Kerbela von vor 1400 Jahren betrauern, nicht die gleiche Konsequenz zeigen, wenn es darum geht, sich mit jüngeren Leiden in ihrer eigenen Geografie wie Dersim 37/38 und der damaligen Staatspolitik auseinanderzusetzen.

Das Problem ist folgendes: Anstatt sich kritisch mit dem historischen Erbe der CHP auseinanderzusetzen, verfestigen sich die inneralevitiischen Konflikte massiv, während der Reflex, dieses Erbe zu verteidigen, fortbesteht. Dies stellt einen tiefen gesellschaftlichen Bruch dar.

Während die eigentlichen strukturellen Probleme, die bekämpft werden müssten, auf der Hand liegen, verengt die aggressive Lynch-Rhetorik gegen Kılıçdaroğlu und Necdet Saraç das Thema auf eine persönliche Ebene und macht das Gesamtbild unsichtbar.

Natürlich muss es in diesem Prozess Kritik geben; politische Akteure können auch scharf kritisiert werden. Doch die gesamte historische und politische Last auf zwei Personen abzuwälzen, ist eine Vereinfachung, die die Sache gleichzeitig oberflächlich macht.

Dieser Ansatz führt unbewusst dazu, dass sowohl die Politik der aktuellen Regierung als auch die strukturellen Probleme der Opposition aus der Debatte gedrängt werden.

Was heute geschieht, ist oft keine Kritik mehr, sondern verwandelt sich in eine ziellose, emotionale und fragmentierte Reaktivität. Die Kraft der Aleviten richtet sich wieder einmal gegen Aleviten … und niemand diskutiert über die eigentlich Verantwortlichen.

Ist euch nicht klar, wen ihr hier reinwascht? Indem ihr eure Reaktion einzig und allein darauf beschränkt, Necdet Saraç und Kemal Kılıçdaroğlu zu lynchen, wascht ihr indirekt das Regime und die offizielle Ideologie rein, gegen die ihr angeblich kämpft. Das ist der eigentliche Fehler!

Anmerkung: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein! Hätte Kılıçdaroğlu das Amt des stellvertretenden CHP-Vorsitzenden nicht Necdet Saraç, sondern einer anderen Person aus der alevitischen Bewegung (die dort in leitender Funktion tätig war) angeboten, hätten 99 % dies im Laufschritt angenommen.

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Cumali Yağmur

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