Von: Cumali Yağmur
Dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, ist mittlerweile eine von allen akzeptierte Tatsache. In der siebzigjährigen Migrationsgeschichte leben heute bereits Migranten der fünften Generation in Deutschland. Doch während in der Tagesschau, der Hauptnachrichtensendung des öffentlich-rechtlichen Senders ARD, darüber berichtet wurde, dass 10 Millionen Menschen in Deutschland in beengten Wohnverhältnissen leben, wurde diese Gruppe zu 30 % immer noch als „Ausländer“ bezeichnet.
Nach einer siebzigjährigen Migrationsgeschichte dient es keinem anderen Zweck als der Ausgrenzung und dem „Othering“, Migranten immer noch als „Ausländer“ zu titulieren. Während bei den öffentlich-rechtlichen Sendern wie ARD und ZDF kein Unterschied gemacht wird und jede Migrantenfamilie monatlich rund 18 Euro Rundfunkbeitrag zahlt, werden diese Menschen in der Berichterstattung weiterhin mit dem Etikett „Ausländer“ hervorgehoben.
Der Grund, warum ich dieses Thema anspreche, ist folgender: Diese Menschen leben seit Jahrzehnten hier; die Mehrheit ist hier geboren und aufgewachsen. Dass diese Individuen, die ein untrennbarer Teil der Gesellschaft sind, immer noch durch die „Ausländer-Brille“ betrachtet werden, ist das Produkt einer fehlerhaften Wahrnehmung. Die Medien müssen in diesen Fragen viel sensibler sein. Ich persönlich bin kein überempfindlicher Mensch, und leider sind wir an solche Herangehensweisen gewöhnt; dennoch ist es von großer Bedeutung, dass in Nachrichten, Zeitungen und der allgemeinen Presse die korrekten Begriffe verwendet werden.
Damit sich Migranten als wesentlicher und untrennbarer Teil dieser Gesellschaft fühlen können, muss auf die verwendete Sprache geachtet werden. Bestimmte Wörter und Ausdrücke verletzen die in Deutschland lebenden Migranten tief. Es wäre realitätsfern, von einem Bevölkerungsteil, der ausgegrenzt wird und dessen Zugehörigkeitsgefühl verletzt ist, „Integration“ zu erwarten. Es ist zwingend erforderlich, dass das deutsche Denken in dieser Hinsicht einen Wandel vollzieht.
Es gibt ein berühmtes Zitat von Kurt Tucholsky, das er vor vielen Jahren sagte: „Deutsch bleibt deutsch. Da helfen keine Pillen.“ Im 21. Jahrhundert muss sich dieses Verständnis nun endlich ändern. Die Menschen sollten eine universelle Denkweise annehmen. Sie müssen sich daran gewöhnen, Dinge nicht in engen nationalen Schablonen, sondern durch universelle Werte zu definieren und mit dieser Vision zu sprechen.