Artikel von Andreas Schwarzkopf / F.R.
Der US-Präsident sitzt in der Falle. Offensive im Iran-Krieg würde ihn die Midterms kosten, einen Rückzug erlaubt Israel nicht. Nun bleibt nur Aussitzen.
US-Präsident Donald Trump hat seinen Krieg gegen das Mullah-Regime bereits verloren. Noch wehrt er sich mit der bekannten Kombination aus Drohungen und angeblichen Gesprächen, die ihn unberechenbar machen soll. Doch das Buhei kann nicht verschleiern, dass er keine sinnvollen Optionen mehr hat. Für ein gesichtswahrendes Ergebnis am Verhandlungstisch sind die Ajatollahs trotz aller Angriffe und Verluste noch immer zu stark.
In die Offensive gehen kann er für einen Befreiungsschlag nicht, weil bei der Sicherung der Straße von Hormus und erst recht bei einer Bodenoffensive zum Sturz des islamistischen Regimes nicht nur viele US-Soldatinnen und -Soldaten sterben müssten, sondern auch der Ölpreis weiter steigen würde. Beides würde ihm und seinen Republikanern eine Niederlage bei den Midterms im November bescheren und Trump für den Rest seiner Amtszeit in eine lame duck verwandeln.
Den Waffengang kann er nicht beenden, weil sein israelischer Bündnispartner die Theokratie weiter angreifen will. Und so bleibt Trump nichts anderes übrig, als darauf zu warten, bis die israelische Regierung von Benjamin Netanjahu den Iran militärisch so sehr geschwächt und die iranischen Führungskader so sehr dezimiert hat, dass das Land für eine Weile keine größere Bedrohung mehr für Israel ist.
Bis dahin wird Trump weiter Ultimaten stellen und verstreichen lassen oder mit militärischen Nadelstichen seine Bilanz aufzupolieren suchen. Und danach wird Trump einfach mal wieder behaupten, erfolgreich gewesen zu sein. Seine Fans und die ihm ergebenen Republikaner werden ihm zustimmen und sich mit ihm anderen Problemen zuwenden.
Donald Trump und der Iran-Krieg: Wird dem Narzissten im Weißen Haus nicht gefallen
Die verbalen Nachgefechte dürften Trump zwar weiter Zustimmung kosten. Schon jetzt monieren einige aus dem MAGA-Lager, der Krieg gegen den Iran sei nicht nur teuer, sondern breche das Wahlversprechen Trumps, die USA aus Kriegen herauszuhalten. Das wird dem Narzissten im Weißen Haus nicht gefallen, kümmern wird es ihn aber auch nicht. Er wird einfach für einen neuen Aufreger sorgen und damit seine Strategie der zweiten Amtszeit fortsetzen.
Der Rest der Welt wird weiter versuchen, bestmöglich durch diese Zeit zu kommen. Die Golf-Staaten werden weiter den Kopf einziehen und auf ein baldiges Ende des Krieges gegen den Iran hoffen. Netanjahu wird, so lange er kann, die Gegner Israels schwächen. Die Hisbollah im Libanon soll hinter den Litani-Fluss gedrängt werden. Die Hamas im Gaza-Streifen wird weiter daran gehindert werden, wieder zu erstarken. Und die Rufe etwa aus europäischen Staaten nach einem nachhaltigen Frieden verknüpft mit einer Zweistaatenlösung, werden weiter ungehört bleiben. Netanjahu und den Seinen reicht es, wenn ihre Gegner nicht mehr angreifen können.
Deutschland und die anderen EU-Staaten werden bis zu einem Kriegsende weiter darüber diskutieren, ob der Angriff auf den Iran völkerrechtswidrig war, aber wegen der Abhängigkeit von den USA und wegen der Launenhaftigkeit Trumps lieber nicht allzu laut ihre Kritik äußern, um Schaden abzuwenden.
Erst wenn die Waffen schweigen, werden die Europäer sich womöglich daran beteiligen, die Straße von Hormus für die freie Schifffahrt zu sichern und damit die eigenen Handelswege. Es sei denn, sie finden einen Weg, diese Aufgabe vollständig den USA und den Golf-Staaten zu überlassen. Schließlich war es bekanntlich nicht der Krieg der Europäer.