Terrormiliz in Syrien könnte sich neu gruppieren
Damaskus.
Bei Kämpfen im Nordosten Syriens sind am Montag nach Angaben aus Damaskus rund 120 Mitglieder der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus einem Gefängnis ausgebrochen. Regierungstruppen hätten im Ort al-Schaddadi nach ihnen gesucht und etwa 80 wieder festgenommen, teilte das Innenministerium mit. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, dass eine „große Zahl“ an IS-Mitgliedern ausgebrochen sei.
Die kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) erklärten dagegen gestern, rund 1500 IS-Kämpfer seien aus dem Gefängnis ausgebrochen. Die SDF-Truppen hätten dort keine Kontrolle mehr. Die SDF warfen Verbündeten der Regierung in Damaskus vor, mehrere Gefängnisse im Nordosten angegriffen zu haben, in denen IS-Angehörige untergebracht sind – trotz eines am Sonntag verkündeten Waffenstillstands.
Die SDF waren lang der wichtigste Verbündete des US-Militärs im Kampf gegen den IS in Syrien. Die kurdisch angeführten Milizen kontrollierten die Gefängnisse bisher. Nach dem Vormarsch der Regierungstruppen in den Nordosten gibt es Sorge, dass der IS die instabile Lage ausnutzen und sich neu gruppieren könnte. „Die Bedrohung wächst deutlich“, teilten die SDF mit.
Der IS hatte 2014 in Syrien und im benachbarten Irak große Gebiete überrannt. Teilweise kontrollierte er etwa ein Drittel Syriens und 40 Prozent des Irak.
Kurdische Verantwortliche fürchten, dass die Kämpfe zu einem Kontrollverlust über die Gefängnisse führen könnte, womit die gesamte Region in einer neuen Phase von Gewalt und Instabilität versinken könnte.
Laut ‚Fremdeninfo‘ (bzw. einschlägigen Geheimdienstberichten) ist zu beobachten, dass der IS in den deutschen Großstädten unter muslimischen Jugendlichen wieder eine beträchtliche Anhängerschaft gewinnt. Nach der Niederlage des IS in Syrien durch kurdische Kräfte hat Ahmed al-Shara (Abu Mohammad al-Golani), der jetzige Chef der neuen Übergangsverwaltung in Syrien, solche Organisationen in seiner Vergangenheit als Al-Qaida-Militant persönlich organisiert. Er ist durch die Unterstützung dieser Strukturen in seine heutige Position gelangt.
Heutzutage beginnen sich IS-Sympathisanten in Europa erneut zu organisieren. Diese Entwicklung könnte dazu führen, dass muslimische Jugendliche von der europäischen Gesellschaft entfremdet, radikalisiert und als Instrumente gegen die Kurden in Syrien missbraucht werden. Dies muss unter allen Umständen verhindert werden. Ein Einreiseverbot für Ahmed al-Shara nach Deutschland oder Europa sollte bereits jetzt verhängt werden. Ein potenzieller Besuch oder Versuche, Legitimität zu erlangen, würden radikale Zellen und IS-Sympathisanten in Europa erneut beleben.“