Zahl der irregulären Einreisen in die EU sinkt weiter

von Fremdeninfo

Artikel von Katrin Pribyl, Brüssel /RP-Online

Brüssel. Der Abwärtstrend setzt sich fort: 2025 kamen ein Viertel weniger Migranten ohne gültige Papiere oder Einreisegenehmigung in die EU als im Jahr zuvor. Verglichen mit 2023 haben sich die unrechtmäßigen Ankünfte sogar mehr als halbiert.

Wer die Forderungen nach einer härteren Gangart in Sachen Migration in vielen Ländern Europas hört und die Diskussionen dann mit den offiziellen Zahlen der Gemeinschaft abgleicht, dürfte oft verwundert zurückbleiben. Denn nüchtern betrachtet zeigt der verschärfte Kurs der EU in der Flüchtlingspolitik Wirkung: So ist 2025 die Zahl der irregulären Grenzübertritte im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent zurückgegangen, wie Frontex am Donnerstag in Warschau mitteilte. Verglichen mit 2023 haben sich die unrechtmäßigen Ankünfte sogar mehr als halbiert – „ein positives Signal“, wie es EU-Migrationskommissar Magnus Brunner ausdrückte.

Die Grenzschutzbehörde registrierte demnach in jenen zwölf Monaten 2025 knapp 178.000 Versuche, illegal nach Europa zu kommen, das heißt ohne gültige Papiere, Visum oder Aufenthaltsgenehmigung. Es ist der niedrigste Wert seit 2021, als die Corona-Pandemie etliche Menschen von der Überfahrt abgehalten hatte. Frontex sprach von einer „beachtlichen Entwicklung“, warnte jedoch, dass die Situation an den Außengrenzen der Union ungewiss bleibe. „Der Trend entwickelt sich in die richtige Richtung, aber die Risiken verschwinden nicht“, sagte Frontex-Chef Hans Leijtens. Der „Migrationsdruck“ könne sich rasch zwischen Routen verlagern, beeinflusst durch Konflikte, Instabilität und Schleusernetzwerke, heißt es in dem Bericht.

Jetzt RP ONLINE Newsletter Stimme des Westens kostenlos bestellen

Die Haupt-Migrationsroute in die EU ist demnach weiterhin das zentrale Mittelmeer. Meist wählten die Menschen den Weg von Libyen an die italienische Küste. Hier verzeichnete die Behörde kaum einen Unterschied zum Vorjahr. Dagegen sank die Zahl auf der sogenannten Westafrika-Route. Rund 60 Prozent weniger Menschen machten sich von Mauretanien, Marokko und dem Senegal aus auf den Weg in Richtung der Kanarischen Inseln und dann auf das spanische Festland. Auch die östliche Mittelmeerroute über die Türkei nach Griechenland und Zypern wählten 2025 rund ein Drittel weniger Migranten als im Jahr zuvor. Eine Ausnahme gibt es: So verdreifachten sich laut Frontex die Versuche, von Ostlibyen auf die griechische Insel Kreta zu gelangen. Die meisten Menschen, die unrechtmäßig auf europäischem Boden angekommen sind, stammten aus Bangladesch, Ägypten oder Afghanistan.

Brunner lobte den Abwärtstrend als „Ergebnis stärkerer Außengrenzen und wirksamer internationaler Partnerschaften“. Es zeige, „dass unsere Migrationsdiplomatie wirkt“. Anfang 2025 erst unterzeichneten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Jordaniens König Abdullah II. mit diplomatischem Pomp ein Partnerschaftsabkommen, in dem die EU dem Land im Nahen Osten Darlehen und Investitionen in Höhe von drei Milliarden Euro zusagte. Der Deal folgte ähnlichen Vereinbarungen mit Tunesien, Ägypten, Marokko und Mauretanien. Geld gegen Grenzschutz: Das ist in Brüssel aktuell das Mittel der Wahl, um Migration in Richtung Europa einzudämmen.

Die dortigen Regierungen sollen Schleusernetzwerke zerschlagen und Menschen davon abhalten, in Boote gen Europa zu steigen. Dafür erhalten sie Milliarden Euro an Wirtschafts- und Finanzhilfen überwiesen. Und die umstrittene Strategie, auch mit autoritär geführten Staaten Abkommen zu schließen, hat den von den EU-Spitzen gewünschten Effekt. Trotzdem kamen weiterhin zahlreiche Menschen bei den gefährlichen Überfahrten ums Leben. Nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) starben 2025 mindestens 1.878 Menschen im Mittelmeer, verglichen mit 2.573 im Vorjahr.

Neben den Flüchtlingsabkommen wird die sinkende Zahl der in der EU Ankommenden mit der verstärkten Kooperation mit den Westbalkanstaaten erklärt. Der Rückgang zeige, „dass Zusammenarbeit Ergebnisse liefern kann“, sagte Leijtens und nannte 2026 „ein Schlüsseljahr für das europäische Grenzmanagement“. Im Juni tritt der neue Asyl- und Migrationspakt vollständig in Kraft. Auf die tiefgreifende Reform hatten sich die Mitgliedstaaten Anfang 2024 nach jahrelangen Streitigkeiten geeinigt mit dem Ziel, wieder Ordnung in das gescheiterte System zu bringen.

Die neuen Regeln, die auf Abschreckung und Abschottung setzen, sollen die Zahl der Neuankömmlinge senken, Asylverfahren beschleunigen und sie an die Außengrenzen verlagern. Migranten mit geringer Aussicht auf Asyl sollen etwa nach Schnellverfahren an den Außengrenzen sofort wieder abgeschoben werden. Zudem will die EU endlich eine gerechte Verteilung der Lasten in Europa erreichen.

(kap albu)

Ähnliche Beiträge