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Wird die Türkei zum Refugium russischer Oligarchen?

von Fremdeninfo 27 März 2022
von Fremdeninfo 27 März 2022
211

Wird die Türkei zum Refugium russischer Oligarchen?

Von

 Stefan Kreitewolf

 –

25.03.2022

 
Eine Yacht unter der Bosporus-Brücke in Istanbul. Foto: Unsplash / Vitaly Mazur

Yachten, Flugverkehr, Banken: Als einziges Nato-Land setzt die Türkei die Sanktionen des Westens gegen Russland nicht um. Damit wird das Land zum Rückzugsort russischer Oligarchen. Warum Erdoğans Gratwanderung Gefahren birgt.

Zwei Superyachten des sanktionierten russischen Oligarchen Roman Abramowitsch sind in der Türkei aufgetaucht. Seit Mitte der Woche liegt die 700-Millionen-Euro-Superyacht „Eclipse“ im türkischen Ägäishafen Marmaris. Die 600 Millionen Euro schwere „Solaris“ soll in Bodrum angedockt haben. Das zeigen Schiffsdaten der Tracking-Website Marine Traffic.

Seit die Regierungen der USA, des Vereinigten Königreichs und der EU Sanktionen gegen russische Oligarchen durchsetzen, stehen ihre Luxusgüter im Fokus. Privatjets und Yachten werden genau verfolgt. Einige Staaten – darunter das Nato-Mitglied Italien – beschlagnahmten bereits Schiffe in europäischen Häfen.

Sicherer Hafen für russische Oligarchen?

In der Türkei scheinen russische Oligarchen im wahrsten Wortsinne einen sicheren Hafen für sich und ihre Luxusgüter gefunden zu haben. Denn als einziges Nato-Land beteiligt sich die Türkei nicht an den Sanktionen des Westens gegen Russland. Das Land wird damit zum Refugium für russische Oligarchen.

RUSSLAND UND DIE TÜRKEI: ES IST KOMPLIZIERT

Die Türkei ist zwar nicht das einzige Land, in dem sich russische Oligarchen sicher fühlen. Vor den Malediven ankern aktuell auch einige Schiffe der russischen Superreichen – zum Beispiel die 140-Meter-Yacht „Ocean Victory“ des Stahlmagnaten Viktor Rashnikov. Dennoch ist der Fall der Türkei besonders pikant.

Alleinstellungsmerkmal: Vermittler?

Denn das Land dient nicht nur als sicherer Parkplatz russischer Luxusgüter, sondern ist neben Dubai die wichtigste verbliebene Drehscheibe für den Flugverkehr zwischen Russland und dem Westen. Anders als in vielen anderen Nato-Mitgliedsstaaten ist der türkische Luftraum nämlich nicht für Flugzeuge aus Russland geschlossen.

Hinzu kommt: Anders als in der EU können russische Staatsbürger an vielen türkischen Geldautomaten mit ihren heimischen Bankkarten weiterhin Geld abheben.

Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu betonte bereits zu Beginn des Krieges, die Beziehungen zur Ukraine und zu Russland aufrechterhalten zu wollen. Aber je länger der Krieg währt und je grausamer der Tod und die Zerstörung in der Ukraine über unsere Bildschirme flimmert, desto schwieriger wird es, diese Haltung aufrechtzuerhalten.

Erdoğans Gratwanderung

Die Nato-Partner tolerieren bislang den türkischen Alleingang. Auch weil Ankara zwischen den Kriegsparteien zu vermitteln versucht. Dennoch kommt die Haltung des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdoğan in dem Konflikt einer gefährlichen Gratwanderung gleich.

Er will weder die Ukraine, die mit türkischen Kampfdrohnen beliefert wird, im Stich lassen, noch Russland, das allein wegen der jährlichen Touristenströme aus dem Land große Abhängigkeiten geschaffen hat, verprellen. Indes werden die Nato-Verbündeten, die unbedingt von der türkischen Bündnistreue überzeugt bleiben sollen, immer skeptischer.

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