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Forscher rätseln weiter: Wie konnte der Islam so schnell so stark werden?

von Fremdeninfo 10 August 2025
von Fremdeninfo 10 August 2025
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Vor 1400 Jahren zog der Prophet Muhammad von Mekka nach Medina – ein Wendepunkt in der Geschichte des Islam. Eine Studie der Uni Basel sieht Belege, dass auch Trockenheit eine wichtige Rolle bei dessen Ausbreitung spielte.

Die Botschaft Muhammads sollte die Welt verändern – aber am Anfang zuckten viele seiner Zuhörer in Mekka mit den Schultern. Was der Prophet Anfang des 7. Jahrhunderts an göttlichen Offenbarungen verkündete, klang in ihren Ohren nicht nur wenig überzeugend, sondern schien auch den Einfluss der Stadt als wichtigen kultischen Ort, wo unterschiedliche Götter verehrt wurden, in Frage zu stellen. Anhänger fand der Prophet so nur wenige.

1400 Jahre ist es in diesen Tagen her, dass er eine weitreichende Entscheidung fällte: Im Jahr 622 zog Muhammad mit etwa 70 Anhängern von Mekka nach Medina, wohin er als Schlichter eingeladen gewesen sein soll. Die Hidschra, der Auszug, war ein Wendepunkt in der frühen islamischen Geschichte und markierte auch den Beginn der islamischen Zeitrechnung. In Medina fand Muhammeds Botschaft von dem einen und einzigen Gott mehr Beifall. Von hier aus verbreitete sie sich in den nächsten Jahrzehnten bis in weit entfernte Landstriche.

Wasser als Machtinstrument

Generationen von Historikern haben gerätselt, warum der Islam damals so erfolgreich sein konnte. Ein Forscherteam hat dazu nun im Fachmagazin „Science“ eine Studie der Uni Basel vorgelegt. Ihr zufolge könnten Dürren infolge von Klimaveränderungen eine wichtige Rolle gespielt haben, um günstige Bedingungen für die Ausbreitung monotheistischer Religionen und damit auch des Islam zu schaffen.

Die Wissenschaftler blicken dafür auf das Königreich Himyar, das mehr als 200 Jahre die bestimmende Macht im Süden der Arabischen Halbinsel war, in etwa auf dem heutigen Staatsgebiet des Jemen. Die Himyariten unterhielten unter anderem große Bewässerungssysteme, zu denen Dämme und Terrassenfelder zählten, wie es in der Studie heißt. So betrieben sie erfolgreich Landwirtschaft, worauf ihre wirtschaftliche Kraft und damit auch ihre Macht beruhte. Doch im 6. Jahrhundert n. Chr. erlebte das Königreich einen Niedergang.

Neue Religion gab den Menschen Hoffnung

Die Studie vertritt die These, Dürren in Folge von Klimaveränderungen hätten die Widerstandsfähigkeit des altsüdarabischen Reiches untergraben. Der „abrupte und anhaltende Rückgang der Niederschläge“ müsse ein erheblicher Stressfaktor gewesen sein. Himyars Niedergang wiederum sei ein wesentliches Element sozioökonomischer, politischer, aber auch religiöser Transformationen gewesen, die den Rahmen für die Entstehung des Islam gebildet hätten. „Die Bevölkerung war durch Hunger und Krieg in großer Not“, sagt Dominik Fleitmann, Leiter der Studie. Der Islam sei auf fruchtbaren Boden gestoßen. Die Menschen hätten neue Hoffnung gesucht: „Die neue Religion bot dies.“

Für ihre Untersuchung kombinierten die Autoren unter anderem historische Daten mit der Auswertung eines Stalagmiten im Oman, der Aufschluss über die hydroklimatischen Bedingungen „dieser kritischen Periode“ gebe. Sie kommen so zu dem Ergebnis, dass es in der Region „die schwersten Dürreperioden“ in den ersten drei Jahrzehnten des 6. Jahrhunderts gegeben habe – also in etwa in der Zeit, in der der Niedergang des Himyar-Königreiches seinen Anfang nahm.

„Das ist alles nicht falsch, es ist aber auch nicht alles“

Die Autoren sind nicht die ersten Wissenschaftler, die die damaligen klimatischen Bedingungen in Betracht ziehen. „Der Umstand, dass die Kaltphase des 6. Jahrhunderts mit Trockenheit auf der arabischen Halbinsel einherging, wird seit über hundert Jahren in der Erforschung des frühen Islams als ein Faktor diskutiert“, sagt Lutz Berger, Professor für Islamwissenschaft an der Uni Kiel.

Die Ergebnisse der Studie sind für ihn nicht überraschend: Es könne kein Zweifel daran bestehen, dass Gesellschaften in sensiblen Ökosystemen wie die auf der arabischen Halbinsel von klimatischem Stress besonders berührt seien.

Überbewerten will er die Studie trotzdem nicht. „Natürlich hätte es ein Prophet aus Mekka schwerer gehabt, die Halbinsel unter seiner Ägide zu einen, hätte die Herrschaft der Altsüdaraber fortgedauert“, sagt er. Ob Muhammads Erfolg aber auch in diesem Fall „gänzlich unmöglich gewesen wäre“, müsse jedoch dahingestellt bleiben. Bergers Fazit: „Das ist alles nicht falsch, es ist aber auch nicht alles.“

Arabische Heere profitierten von römischem Rückzug

Der Erfolg der islamischen Botschaft lässt sich letztlich nur aus einem Zusammenspiel vieler Faktoren erklären. Die damals vorherrschenden Großreiche der Römer und der persischen Sassaniden waren nach ihrem langen Krieg gegeneinander – nicht zuletzt wirtschaftlich – ausgelaugt. Die Ressourcen für einen neuen großen Krieg fehlten, als die muslimischen Heere von der Halbinsel zu Feldzügen aufbrachen und unter Muhammads Nachfolgern ein großes Reich errichteten. Auch die Loyalität ihrer Untertanen sei erschüttert gewesen, schreibt Berger in seinem Buch „Die Entstehung des Islam“.

Den militärischen Erfolg der muslimischen Heere erklärt er zudem unter anderem mit „überlegener Motivation und Organisation“. Als die Römer aus Syrien abzogen, hatten die Muslime leichtes Spiel: „Denn die Bewohner der Städte im Landesinnern öffneten den Eroberern ihre Tore und feierten die Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit.“

dpa/dtj

* Dieser Artikel wurde am 16. Juli 2022 erstveröf

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