Terrorverdächtige an Flughäfen gestoppt Quellenangabe: HAZ vom 17.01.2026, Seite 17
Spezialkräfte nehmen zwei Männer in Hannover und Stuttgart fest – sie wollten sich dem IS anschließen
Spezialkräfte der Polizei haben an den Flughäfen Hannover und Stuttgart die Ausreise von zwei Männern aus Nordhessen nach Syrien verhindert. Ihnen wird die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen – darauf stehen laut Strafgesetzbuch bis zu zehn Jahre Haft.
Die beiden deutschen Staatsangehörigen „mit Bezügen in die islamistische Szene“ sitzen nun in Frankfurt am Main in Untersuchungshaft, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt und das hessische Landeskriminalamt mitteilen. Spezialeinsatzkräfte hätten am Donnerstag die Ausreise des 27-Jährigen und des 18-Jährigen verhindert.
An dem Ermittlungsverfahren waren neben hessischen Behörden auch die Bundespolizei und Ermittler aus Nordrhein-Westfalen beteiligt. Dabei habe sich der Verdacht konkretisiert, dass sich die beiden in Syrien für Kampfhandlungen im Ausland ausbilden lassen wollten, so die Staatsanwaltschaft. Aber: „Eine konkrete Gefährdung für die Bevölkerung bestand zu keinem Zeitpunkt“, sagt Sprecher Dominik Mies.
Bei Durchsuchungen der Wohnungen der beiden Verdächtigen in Kassel und im Landkreis Kassel fanden die Ermittler unter anderem eine Armbrust ohne Bolzen und Broschüren mit Bezug zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Darüber hinaus stellten die Ermittler laut Mies Bargeld, diverse Mobiltelefone und Datenträger sicher, „die nun im Detail ausgewertet werden“.
Der Schatten des Kalifats: Warum die schwarzen Flaggen noch immer wehen“
Von: Cumali Yagmur
Zwischen 2013 und 2014 reisten zahlreiche junge muslimische Migranten aus Europa nach Syrien, um in den Reihen des IS zu kämpfen. Sie flogen vom Flughafen Frankfurt am Main in weißer Kleidung ab und sagten: ‚Wir ziehen in den Dschihad‘. Nach einer dreimonatigen paramilitärischen Ausbildung in der Türkei, in der Nähe der Stadt Aleppo, überquerten sie die Grenze nach Syrien, schlossen sich dem IS an und kämpften gegen die Kurden. Unter ihnen gab es auch Personen, die es nicht bis nach Syrien schafften und nach Frankfurt am Main zurückkehrten.
Diese Personen riefen ihre Familien aus der Türkei an und baten darum, abgeholt zu werden. Als die Väter an dem Ausbildungsort in der Nähe von Gaziantep eintrafen, sagte der dortige IS-Verantwortliche: ‚Ihr Sohn und Ihre Tochter haben Kosten in Höhe von 7.000 € verursacht; bezahlen Sie diesen Betrag. Wenn sie freiwillig zurückkehren wollen, können sie gehen.‘
Wir haben ein Interview für die Frankfurter Rundschau mit S.H. geführt, der nach Frankfurt am Main zurückgekehrt war. Diese Themen haben wir über Monate hinweg gemeinsam mit einem Kollegen der Frankfurter Rundschau recherchiert und dokumentiert.
Auf diesem Weg gelangten zahlreiche muslimische Männer und Frauen aus Europa in die Region. In kurdischen Gefängnissen in Syrien befinden sich noch immer inhaftierte IS-Kämpfer, die aus Europa stammen. Die europäischen Länder haben diese Personen nicht wieder aufgenommen. Wenn jedoch Familien nach Syrien reisten, um ihre Töchter zurückzuholen, ließ die kurdische Verwaltung die Frauen frei.
Auch heute gibt es noch zahlreiche muslimische Jugendliche unter 18 Jahren, die Sympathien für den IS hegen. In einigen Stadtteilen von Hannover gibt es IS-Sympathisanten, die schwarze Flaggen in ihre Fenster hängen. Das Bild der schwarzen Flagge wurde aus dem Fenster eines Hauses in der Nordstadt aufgenommen.“