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Biden spricht erneut von Völkermord an Armeniern

von Fremdeninfo 26 April 2022
von Fremdeninfo 26 April 2022
255

 

Biden spricht erneut von Völkermord an Armeniern

Von

dtj-online

–

25.04.2022

7. Jahrestag des Völkermords an Armenien“ width=“696″ height=“497″
Yerevan: Nikol Paschinjan (hinten 3.v.l.), Ministerpräsident von Armenien, nimmt an einer Gedenkveranstaltung für den 107. Jahrestag der Massaker im Osmanischen Reich teil, die Armenien als Völkermord einstuft. Foto: Tigran Mehrabyan/PAN Photo/AP/dpa

US-Präsident Joe Biden hat die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges erneut als Völkermord bezeichnet und damit Entrüstung in der Türkei ausgelöst.

„Wir lehnen solche Erklärungen und Entscheidungen ab, die historische Fakten aus politischen Motiven verzerren, und verurteilen diejenigen, die auf diesem Fehler beharren“ teilte das Außenministerium in Ankara am Sonntag mit.

Biden wiederhole damit einen Fehler, den er schon im vergangenen Jahr gemacht habe. Die Türkei reagierte damit auf eine Erklärung Bidens von Sonntag. Darin schrieb er, der „Völkermord an den Armeniern“ sei eine der schlimmsten Gräueltaten des 20. Jahrhunderts gewesen.

Tabubruch und Krise

„Heute gedenken wir der eineinhalb Millionen Armenier, die verschleppt, massakriert wurden oder im Rahmen einer Vernichtungskampagne zu ihrem Tod marschierten und wir trauern angesichts des tragischen Todes so vieler Menschen“, so Biden. Im vergangenen Jahr hatte Biden die Massaker an den Armenien bereits als Völkermord anerkannt und damit mit einem jahrzehntelangen Tabu gebrochen. Ankara hatte daraufhin gefordert, den „schwerwiegenden Fehler“ zurückzunehmen.

Präsident Recep Tayyip Erdoğan hingegen sandte anlässlich des 24. April eine Botschaft an den Patriarchen von Konstantinopel der Armenischen Apostolischen Kirche, Sahak Mashalyan.

Erdoğan möchte „den Schmerz teilen“

In seiner Botschaft brachte Erdoğan zum Ausdruck, dass er sich noch einmal mit Respekt an die „osmanischen Armenier“ erinnere, die ihr Leben verloren, und sprach den Hinterbliebenen sein aufrichtiges Beileid aus.

Nach Telefonat mit Erdoğan: Biden nennt 1915 „Völkermord“

„Ich wünsche allen osmanischen Bürgern, die unter den schwierigen Bedingungen des Ersten Weltkriegs gestorben sind, Gottes Barmherzigkeit“, sagte der Präsident. Es sei wichtig, den gemeinsamen Schmerz ohne religiöse, ethnische oder kulturelle Diskriminierung zu verstehen und zu teilen und die Zukunft „gemeinsam zu bauen“. Dabei verwies er auch auf die laufenden Wiederannäherungsgespräche zwischen Armenien und der Türkei.

Paylan reicht Gesetzesentwurf ein

Rund 1,5 Millionen Armenier wurden Historikern zufolge im Ersten Weltkrieg Opfer systematischer Tötungen im Osmanischen Reich. Als dessen Rechtsnachfolgerin gibt die Türkei zwar Massaker an 300.000 bis 500.000 Menschen zu, weist die Einstufung als Völkermord aber zurück.

Das Thema sorgte am Sonntag in der Türkei auch für eine hitzige innenpolitische Debatte. Der armenische Oppositionspolitiker Garo Paylan geriet unter Druck, weil er beim Parlamentspräsidenten einen Gesetzesentwurf zur Anerkennung der Massaker als Völkermord eingereicht hatte.

Der Antrag wurde umgehend abgelehnt. Fahrettin Altun, Kommunikationsdirektor des türkischen Präsidenten, bezeichnete den Vorgang als „Verrat“ und „Verleumdung“ der türkischen Nation sowie ihrer Geschichte.

dpa/dtj

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