Artikel von Marcel Görmann
Nach dem slamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day schlägt ein Fachmann Alarm. Mahmoud Jaraba von der Universität Erlangen fordert eine stärkere Einbindung muslimischer Gemeinden in die Jugendarbeit. Der Islamwissenschaftler verlangt dringend mehr Investitionen in Prävention und Deradikalisierung.
Dabei spielen die Moscheen eine zentrale Rolle. Zwar bestehe dort großes Interesse, jedoch fehle es an Ressourcen und dem Vertrauen der Behörden. Aktuell passiere extrem wenig, teilweise würden Mittel sogar gekürzt. „Dabei ist sich die Wissenschaft einig: Es wird in Zukunft noch zu mehr Radikalisierungen von jungen Menschen kommen“, warnt Jaraba der AFP.
📌Islamismus-Gefahr in Deutschland
- Es gibt 410 Personen, die aktuell vom BKA als islamistische Gefährder eingeordnet werden.
- Ein Großteil dieser Gefährder befindet sich auf freiem Fuß oder aktuell im Ausland.
- Das Bundesamt für Verfassungsschutz rechnet insgesamt rund 28.600 Personen der islamistischen Szene zu. Davon sind etwa 9110 gewaltorientiert.
Gefahr im Verborgenen – abseits der Moscheen
Grundsätzlich stellen Moscheen kein Problem dar. Dennoch verbreiten einzelne salafistische Gemeinden radikale Inhalte. Abseits bekannter Einrichtungen agieren zudem kleinere Gruppierungen lokal. Solche Treffen finden oft in privaten Räumen statt.
Längst beschränkt sich dieses Phänomen nicht mehr auf Städte. Auch auf dem Land lässt sich die Entwicklung beobachten. „Das Narrativ ist überall das gleiche: Wir sind die salafistische Elite, die ins Paradies kommen wird“, erklärte der Experte.
Leichte Beute für Extremisten
Besonders anfällig sind Jugendliche mit einem starken Ausgrenzungsgefühl. Oft erleben diese Heranwachsenden Rassismus im Alltag. Irgendwann betrachten sie ihre Umwelt durch eine negative Brille und begegnen dem Staat extrem skeptisch.
Mangels passender Angebote der etablierten muslimischen Community entsteht ein Vakuum. Genau hier punkten Salafisten mit einfachen Antworten. Sie vermitteln den Jugendlichen das Gefühl der Chancenlosigkeit. Folglich lohne sich keine Ausbildung, weshalb nur die Religion zähle.
Strenge Regeln als Lockmittel
„Für junge Menschen, die zum Beispiel aus gespaltenen Familien kommen oder eine kriminelle Geschichte haben, die womöglich Schwierigkeiten in der Schule haben, ist das sehr attraktiv.“ Die Extremisten bieten klare Vorgaben für den Alltag. Diese Regeln umfassen das Beten, das Fasten sowie das Zusammenleben von Männern und Frauen.
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Solche Richtlinien definieren exakt, was erlaubt ist. Nach dieser Struktur sehnen sich Jugendliche in einer Identitätskrise. Von einem Verbot bestimmter salafistischer Gemeinschaften hält Jaraba dennoch nichts. Die Erfahrung zeige, dass die Aktivitäten danach meist einfach an einem anderen Ort weitergehen.