Von : Cumali Yagmur
Die feministische Autorin Alice Schwarzer glaubt, dass eine mögliche Kanzlerschaft der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel trotz politischer Differenzen eine positive Auswirkung auf Frauen hätte.
Doch Schwarzer scheint nicht begriffen zu haben, dass der Faschismus eine menschenfeindliche Ideologie ist. Wer war es, der in Berlin Rosa Luxemburg ermordete und in den Kanal warf? Haben sich Faschisten gegenüber Frauen wirklich geändert, oder legen sie nur ein männlich-dominantes Gebaren an den Tag? Während der Verfassungsschutz die AfD als „rechtsextremistisch“ einstuft, glaubt Alice Schwarzer ernsthaft, dass diese Partei Frauen gegenüber wirklich tolerant sein wird?
Alice Schwarzer sollte wissen: Faschismus bekämpft man nicht, indem man mit Faschisten kooperiert. Der Faschismus wird vernichtet, indem man die Massen organisiert und sich ihm wie eine Festung entgegenstellt.
„Sie hätten fragen müssen: Wo haben wir Fehler gemacht?“
Laut Schwarzer wäre es „sinnvoller gewesen, die rechtskonservativen Elemente innerhalb der AfD dazu zu ermutigen, die offen rechtsextremen Elemente in der Partei zu bekämpfen.“ Schwarzer fügte zudem hinzu: „Vor allem hätten die Union (CDU/CSU), die SPD und die Grünen ihre eigenen Wähler, die zur AfD abgewandert sind, fragen müssen: ‚Warum wählt ihr uns nicht mehr, sondern sie? Wo haben wir Fehler gemacht?‘ Es reicht nicht, nur gegen etwas zu sein; man muss auch sagen können, wofür man ist.“
Ich unterstreiche diese Aussagen von Alice Schwarzer und stimme ihr hierbei zu. Es gibt so viele Themen, bei denen die Parteien Selbstkritik üben müssten; sie sollten sich diese Frage unbedingt stellen.
Harte Kritik an Annalena Baerbock
Schwarzer, die Herausgeberin der feministischen Zeitschrift Emma, kritisierte die Grünen-Politikerin Annalena Baerbock scharf. Schwarzer vertrat die Ansicht, dass die von der ehemaligen Außenministerin Baerbock proklamierte „feministische Außenpolitik“ völlig wirkungslos geblieben sei, und sagte: „In diesem Punkt hat sie völlig versagt. Sie hat die Frauen im Iran und in Afghanistan im Stich gelassen. Ich glaube, sie war eine Meisterin der Worte, nicht der Taten.“
Auch in dieser Kritik an Baerbock stimme ich Alice Schwarzer zu.
Schwarzer sieht Merkel als Vorbild
Andererseits lobte Schwarzer die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel als wichtiges Vorbild für junge Frauen. Sie erklärte, dass Merkel – auch wenn sie dies nicht persönlich beabsichtigt habe – eine „enorme“ Wirkung auf andere Frauen gehabt habe.
Ich möchte betonen, dass Merkels Flüchtlingspolitik sehr konsequent und humanitär war. Dennoch bin ich der Meinung, dass Alice Schwarzer ihre Äußerungen zur AfD überdenken und tiefgründig darüber nachdenken sollte. Was lässt sich sonst gegen eine Gesinnung sagen, die „Ausländer raus“ ruft und Migranten als „kriminell“ abstempelt?
Kurz gesagt: Gegen ein rückschrittliches Gebilde wie die AfD, das nach wie vor Politiker mit faschistischen Ansichten in seinen Reihen beherbergt, müssen die Massen organisiert werden. Zudem muss betont werden, dass der Faschismus eine menschenfeindliche Ideologie ist. Ich bin davon überzeugt, dass der jüngeren Generation – beginnend in den Schulen – sehr genau vermittelt werden muss, wozu der Faschismus in der Vergangenheit in Deutschland geführt hat.