Cumali Yağmur – Halit Yaşar Demirbağ (Hannover)
Tausende Menschen versammelten sich mit kurdischen Fahnen auf dem Opernplatz. Bei der Kundgebung wurden scharfe Botschaften gegen die Drohungen von al-Dschulani, die Interventionen der AKP-MHP-Regierung und das internationale Schweigen gerichtet.
Etwa 5.000 Menschen aus verschiedenen Städten Niedersachsens kamen nach Hannover und füllten den Opernplatz, einen der wichtigsten Plätze der Stadt, mit kurdischen Symbolen und Fahnen. Die Demonstration richtete sich gegen die Drohungen von Strukturen unter der Führung von Ahmed al-Schara (Abu Mohammad al-Dschulani) und deren reaktionäre Gesinnung gegenüber dem kurdischen Volk in Syrien. Besonders die Rufe der Jugendlichen – „Es lebe Rojava“ und „Es lebe Qamişlo“ – hallten über den Platz. Während der gesamten Aktion wurde zudem immer wieder der Slogan „Es lebe der Widerstand der Frauen und unseres Volkes“ gerufen.
Innerhalb der Menge war eine gewisse „bittere Akzeptanz“ hinsichtlich der jüngsten Entwicklungen in Syrien, des Friedensabkommens zwischen der Regierung in Damaskus und den Kurden sowie der diplomatischen Prozesse wahrnehmbar. In den Reden lag das Hauptaugenmerk auf der lebenswichtigen Bedeutung der Organisierung der Kurden aus eigener Kraft. Die Teilnehmer kritisierten die Haltung der internationalen Mächte in diesem Prozess scharf. Insbesondere wurde betont, dass der desinteressierte Ansatz der EU und der USA gegenüber den Kurden dem kurdischen Volk einmal mehr deutlich gezeigt habe, wer Freund und wer Feind sei. In diesem Zusammenhang wurde unterstrichen, dass das kurdische Volk keiner anderen Macht außer der eigenen Stärke vertrauen dürfe.
Auch die reaktionäre Regierung des AKP-MHP-Blocks wurde während des Marsches scharf verurteilt, da sie durch monatelange Waffenlieferungen an die syrische Armee faktisch salafistische Strukturen in Syrien gegen die Kurden unterstützt habe.
Die Redner erklärten, dass die Kurden sich dieser Realität bewusst seien und sich deshalb stets auf ihre eigene Kraft stützend organisiert hätten. Es wurde daran erinnert, dass die Kurden im Kampf gegen den IS unterstützt wurden, als die Organisation auch die USA und Europa bedrohte. Zum jetzigen Zeitpunkt jedoch würden die EU und die USA den Kurden den Rücken kehren und sich an die Seite von Namen mit Al-Qaida-Hintergrund wie Ahmed al-Schara stellen.
Reaktion auf Polizeiblockade
Dass die Polizei vor dem Marsch das Kurdische Kulturzentrum in der Kornstraße sowie das Anarchistische Zentrum blockierte, stieß auf heftige Kritik. Die Demonstranten bewerteten dies als Einschüchterungsversuch gegen das demokratische Protestrecht und als „provokative Haltung“. In den Erklärungen hieß es: „Die Aufgabe der Polizei ist es nicht, die Menge vor dem Marsch zu blockieren, sondern die Sicherheit der Teilnehmenden zu gewährleisten. Dieses Verhalten der Polizei ist in einer demokratischen Zivilgesellschaft kein akzeptables Bild.“
Internationale Solidarität
Die Aktion wurde nicht nur von Kurden, sondern auch von deutschen linken Gruppen, Vertretern der Partei Die Linke und verschiedenen Jugendorganisationen unterstützt. In den Reden wurde betont, dass die revolutionäre Solidarität gegen reaktionäre Gesinnung und Unterdrückung fortgesetzt werde. Es wurde darauf hingewiesen, dass hinsichtlich der Entwicklung des Abkommens zwischen den Kurden und der Regierung in Damaskus und dessen Folgen für die Kurden noch Unklarheiten bestehen. Die unterstützenden Organisationen betonten, dass sie generell für den Frieden seien, die Entwicklungen jedoch genau beobachten werden und ihre Haltung stets auf der Seite des Widerstandskampfes des kurdischen Volkes sein werde.
Die Aktion, die durch die Aufrufe des Organisationskomitees zur Besonnenheit in einer friedlichen Atmosphäre verlief, ging als einer der massivsten und eindrucksvollsten Proteste in die Geschichte Hannovers ein. Die Veranstaltung endete ohne Zwischenfälle.