Von: Celal Isik/ Istanbul
Eines der wichtigsten, jedoch haltlosen ideologischen Kritikargumente der türkischen Linken gegenüber der kurdischen Bewegung ist der Vorwurf, sie ginge in Syrien und Rojava ein Bündnis mit den USA ein und arbeite mit dem Imperialismus zusammen.
Beantworten wir diesen Vorwurf mit den Worten von Salih Muslim. Sehen Sie, was er sagt:
Muslim, der die Geschichte der Beziehungen zu den USA bewertet, erklärt: „Die Amerikaner haben uns nie versprochen, uns zu schützen. Wir haben so etwas auch nicht verlangt. Es war eine reine Interessenfrage; wir beide haben uns 2011 gegen den Daesh (IS) zusammengeschlossen.“
Auch Trump gab mit den Worten: „Die Kurden haben für sich selbst gekämpft, und wir haben ihnen viel Geld gegeben“, eine Antwort, die diejenigen ins Leere laufen lässt, die behaupten, die USA hätten die Kurden „erneut verraten“.
Am aktuellen Punkt scheint bei dem Treffen zwischen Syrien und Israel am 5. und 6. Januar in Paris, das unter US-Vermittlung stattfand, die Beziehung zwischen den USA und den Kurden durch ein neu entstandenes Bündnis zwischen der Führung in Damaskus, den USA und Israel ersetzt worden zu sein. Salih Muslim interpretiert dies als ein Komplott gegen sie und sagt, dass die Ereignisse das Ergebnis eines internationalen Konsenses seien.
Es zeigt sich, dass die „taktische Zusammenarbeit“, die während des 2011 begonnenen Bürgerkriegs zwischen der YPG/SDG und den USA entstand, heute für die USA und die internationalen Mächte ihre alte Bedeutung verloren hat.
Bedauerlicherweise besteht die Haltung der türkischen „Linken“ heute nicht darin, sich mit den Kurden zu solidarisieren, die mit dem Komplott internationaler Mächte und den Massakern des islamistisch-faschistischen Damaskus-Regimes konfrontiert sind. Stattdessen verharren sie in einer psychologischen Verfassung (Haleti-ruhiye), die sich so zusammenfassen lässt: „Seht ihr, wir haben es euch doch gesagt, geschieht euch recht! Wir wurden besiegt, jetzt werdet ihr eben auch besiegt!“
Gegenüber der Behauptung von Regierungsvertretern und Bahçeli, die PYD arbeite mit Israel zusammen, kritisiert Muslim die Vorwürfe gegen sie scharf: „Es gibt absolut keine Zusammenarbeit mit Israel. Ahmed al-Shara (interimsweise Führung in Syrien) schließt ständig Abkommen mit Israel ab; die Beziehungen der Türkei zu Israel sind ohnehin bekannt. Es gibt immer noch einen Handel in Milliardenhöhe.“
Die Kritik und die Einwände gegen die kurdische Bewegung in Syrien und der Türkei, die auf der Ideologie von Abdullah Öcalan basiert – sei es von der türkischen Linken oder von anderen kurdischen Bewegungen –, beruhen im Kern nicht auf einer ideologischen oder theoretischen Differenz, sondern auf einer psychologischen Befindlichkeit.
Das Gefühl und der Wunsch „Wir wurden besiegt, sollen sie auch besiegt werden“ scheint eine Stimmung zu sein, die dominanter ist als jede ideologische Meinungsverschiedenheit.
Einige kurdisch-nationalistische Kreise behaupten sogar, Öcalan habe die kurdische Sache verraten und sie der Türkischen Republik ausgeliefert; er hätte durch ein Abkommen mit Israel die Unterstützung und Möglichkeit für ein unabhängiges Kurdistan schaffen können, habe dies aber nicht getan.
Wissen diese Behaupter etwa nicht, dass Israel in Gaza einen Völkermord begangen hat und heute ein tyrannisches, blutiges Apartheid-Regime ist, das die wertvollsten strategischen Wasser- und Landwirtschaftsflächen syrischen Bodens annektiert hat und versucht, diese offiziell zu israelischem Staatsgebiet zu machen?
Während die USA, Israel und die EU-Staaten den Nahen Osten, den sie ausbeuten wollen, neu gestalten, haben sie sich in der Region – und speziell in Syrien – für die Option entschieden, die am leichtesten zu lenken ist: Jolani von der HTŞ.
Da die Präferenz sowohl Saudi-Arabiens und anderer arabischer Staaten als auch der Türkei bereits in diese Richtung ging, haben sich die USA mit Israel und der Führung in Damaskus geeinigt, um den Weg mit der HTŞ fortzusetzen.
Der Westen und die USA haben beschlossen, Syrien nicht mit der PYD/SDG – einer sub-staatlichen Kraft – zu verwalten, sondern im Gegenteil mit der HTŞ (der Führung in Damaskus), die auch von den Regionalstaaten unterstützt wird.
Der Westen hat es vorgezogen, mit terroristischen und salafistisch-dschihadistischen „Halsabschneidern“ wie dem IS und der HTŞ zusammenzuarbeiten, die im völligen Widerspruch zu seinen eigenen jahrhundertealten demokratischen und säkularen Werten stehen.
Einem pluralistischen, demokratischen Modell wie Rojava, mit hoher Frauenbeteiligung und säkularer Ausrichtung, wurde kein Raum gegeben. Stattdessen wurde ein zweites arabisches Baath-Regime unter der monistischen, zentralistischen HTŞ-Macht unterstützt, das die pluralistische syrische Gesellschaft despotisch und mit Gewalt regieren soll.
„Der innere Frieden unter den Völkern des Westens hing in hohem Maße mit der Gewalt in fernen Ländern, der geschürten Tyrannei und ähnlichen Massakern zusammen, die mit der Errichtung von Stützpunkten und Agenturen in aller Welt einhergingen. Mit anderen Worten: Verlangen, Luxussucht und andere Leidenschaften waren nicht länger Gegenstand unangebrachter Kritik… aber die Befriedigung dieser neuen Begierden hing von der Errichtung eines weltweiten Regimes der Ungleichheit ab. Dass sich der Westen heute rasant von demokratischen Werten entfernt (dieser Satz stammt von mir), liegt daran, dass die koloniale Welt, die das Kind der Demokratie ist, nicht die Antithese der demokratischen Ordnung ist. Sie war schon immer ihr Zwillingsbruder und ihre dunkle Seite. Die Demokratie trägt ihre Kolonie in ihrem Schoß, so wie die Kolonie die Demokratie oft hinter einer Maske trägt. Krieg und Terror sind durch die Schaffung neuer Militärmärkte selbst zu einer Produktionsweise geworden.“