Zwischen politischer Identität und religiöser Nische: Frankreichs Migrationsgesellschaft im Fokus“

von Fremdeninfo

Von Frau Nevin Erkardas/Paris

Die in Paris ansässige Organisation ACORT (Bürgerversammlung der Menschen aus der Türkei) versucht seit 1981, nach Frankreich eingewanderte Staatsbürger unabhängig von ihren politischen Überzeugungen um eine übergeordnete „Migrantenidentität“ zu vereinen. Laut ACORT führt der seit den 80er Jahren in Europa erstarkende Rechtspopulismus zu einer Tendenz der Ghettoisierung unter Migranten. Die einstige Massenorganisierung in den Reihen der Migranten wandelt sich zunehmend hin zu religiösen Gemeindestrukturen, kleinen Solidaritätsgruppen und einer sozialen Abschottung.

Seit der Gründung von ACORT vertreten wir die Ansicht, dass wir nun als Geflüchtete in Frankreich leben und außer der Menschenrechtssolidarität keine organisatorischen Bindungen zu Organisationen in der Türkei bestehen sollten. Wir haben keine organischen Verbindungen zur Türkei und fungieren nicht als Nebenarm einer politischen Partei oder Organisation.

Statistiken zur Integration und Erwerbstätigkeit (INSEE-Bericht)

Ein vom französischen Nationalen Institut für Statistik und Wirtschaftsstudien (INSEE) veröffentlichter Bericht verdeutlicht die niedrige Erwerbsquote von Migrantinnen. Insbesondere türkische und kurdische Migrantinnen liegen in dieser Rangliste weit hinten.

Während die Erwerbsquote von Migrantinnen aus Nordafrika bei 52 % liegt, bilden Frauen aus der Türkei und dem Nahen Osten mit 45 % das Schlusslicht. Laut INSEE machen Türken und Kurden etwa 3 % der gesamten Migrantenpopulation in Frankreich aus; 46 % der türkischen und kurdischen Migrantinnen tragen ein Kopftuch.

Weitere wichtige Ergebnisse des INSEE-Berichts:

  • Erwerbstätigkeit: Die Erwerbsquote von Migrantinnen liegt insgesamt bei 62 %. Dies ist 10 Prozentpunkte niedriger als bei Nicht-Migrantinnen.
  • Bevölkerungsanteil: Die Zahl der Migranten hat 7 Millionen erreicht, was 10 % der Landesbevölkerung entspricht. Zum Vergleich: Im Jahr 1968 lag der Anteil der im Ausland geborenen Personen noch bei 6,5 %.
  • Staatsbürgerschaft und Herkunft: Nach den Zahlen von 2021 hat mehr als ein Drittel der Migranten im Land die französische Staatsbürgerschaft angenommen. Der Bericht betont, dass die Geschichte der Migration nach Frankreich weit zurückreicht und ein erheblicher Teil der Migranten bereits in Frankreich geboren wurde. In der dritten Generation haben neun von zehn Personen mindestens ein oder zwei Großelternteile, die nach Frankreich eingewandert sind.
  • Diskriminierung: Der Bericht legt offen, dass Migranten stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind, häufiger unter erschwerten Bedingungen arbeiten, geringere Löhne erhalten und massiver Diskriminierung ausgesetzt sind.
  • Religion: Während Muslime 10 % der Gesamtbevölkerung des Landes ausmachen, liegt ihr Anteil unter den Migranten bei 44 %.
  • Religiöse Praxis: Laut INSEE tragen 26 % aller muslimischen Frauen ein Kopftuch. Bei muslimischen Migrantinnen steigt dieser Anteil auf 36 %. Bei Migrantinnen aus der Türkei, Kurdistan und dem Nahen Osten liegt die Quote bei 46 %.

Demografie in Paris:

  • 20 % der Gesamtbevölkerung von Paris besteht aus Ausländern.
  • In der Stadt sind Menschen aus 110 verschiedenen Nationen vertreten.

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