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Wie kamen die Türken zum Islam

von Fremdeninfo 1 Oktober 2022
von Fremdeninfo 1 Oktober 2022
451

Wie kamen die Türken zum Islam?

Von

ismail-kul

–

21.04.2016

h

Die in der Schule gelehrte Geschichte orientiert sich hauptsächlich an Herrschern, Schlachten und Kriegen. Generell wird kriegerischen Auseinandersetzungen eine hohe Bedeutung beigemessen. Vermutlich braucht der Mensch solche Orientierungspunkte, um sich die Geschichte zu vergegenwärtigen – auch wenn es auf eine Vereinfachung der historischen Begebenheiten hinausläuft.

So wird in Europa der Schlacht von Tours und Poitiers 732 eine welthistorische Bedeutung beigemessen. Damals sei das Abendland vor den vorrückenden muslimischen Heeren gerettet worden. Ähnliches wird im Zusammenhang mit der zweiten Belagerung von Wien im Jahr 1683 gesagt.

Auch in der Türkei wird die Geschichte auf eine ähnliche Weise behandelt. Wie haben die türkischen Stämme aus Zentralasien beispielsweise zum Islam gefunden? Die Schlacht am Talas im Jahr 751 soll dabei eine entscheidende Rolle gespielt haben. Talas befindet sich im heutigen Kirgisien, damals rückten die Chinesen gen Westen vor und stießen auf die muslimischen Araber.

Nach der offiziellen türkischen Geschichtsschreibung und Historikern wie Yılmaz Öztuna („Türk Tarihinden Yapraklar“) hatten türkische Kämpfer gesehen, dass die Araber unterlegen waren und eilten ihnen zur Hilfe. Andere türkische Stämme sollen auch für die Chinesen gekämpft haben und dann zu den Arabern übergelaufen sein. Die Araber siegten letztlich, das Vorrücken der Chinesen in die westliche Himmelsrichtung wurde gestoppt. Türken und Araber fanden die Gelegenheit, sich einander näher kennenzulernen und die Türken begannen Bekanntschaft mit dem Islam zu machen.

Außerdem: Die Türken hätten schon – auch als Schamanisten – einen Ein-Gott-Glauben praktiziert und an die Wiederauferstehung geglaubt, Unzucht und Homosexualität sei bei ihnen verpönt gewesen, Diebstahl hart bestraft worden. Daher sei ihnen die Annahme des Islam nicht schwer gefallen. Einige sprechen dieser Schlacht sogar welthistorische Bedeutung zu, die den Verlauf der Geschichte richtungsweisend beeinflusst habe.

Es gibt aber auch andere, die an der Stelle das Haar in der Suppe suchen und meinen, bei der Schlacht am Talas wäre die Sachlage gar nicht mal so einfach. Emre Kongar beispielsweise, kemalistischer Soziologe und Kolumnist der Zeitung Cumhuriyet, schreibt in seinem Buch „Tarihimizle Yüzleşmek“, dass die Türken auf beiden Seiten gekämpft hätten. Außerdem seien der Schlacht auch eine Reihe an kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen muslimisch-arabischen und türkischen Kämpfern vorausgegangen. Die Islamisierung der Türken habe sich auf einen Zeitraum von 200 bis 300 Jahren erstreckt, und zwar zwischen dem achten und dem zehnten Jahrhundert.

Vermutlich greift die Fokussierung auf einzelne Schlachten zu kurz. Während das Abendland nicht allein durch die Schlacht von Tours und Poitiers oder die vergebliche zweite Belagerung von Wien „gerettet“ wurde, haben sich die Türken nicht „nur“ infolge der Schlacht um Talas islamisiert.

Der türkische Historiker Ilber Ortaylı, der unter anderem mit seinen populär-historischen Büchern und Fernsehauftritten einer breiten Masse bekannt ist, sagte vor wenigen Tagen auf einer Konferenz in München, die Türken hätten den Islam auf dem Gebiet des heutigen Iran kennengelernt; mit den Arabern seien sie erst sehr viel später in Berührung gekommen.

Ohne Zweifel lässt sich also nicht sagen, wann und wo die Türken zum Islam übertraten. Eine Schlacht mit einem Datum ist eben leichter zu behalten.

Sicher ist nur: Als sie nach 1071 in Anatolien einwanderten, waren sie bereits muslimisch.


Weitere Quellen:

I. Hami Danışmend: Türk Irkı Neden Müslüman Oldu?

Yılmaz Öztuna: Türk Tarihinden Yapraklar

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