Warum die internationale Repräsentation der syrischen Kurden Unbehagen auslöst

von Cumali Yağmur
Cumali Yağmur

Von: Cumali Yağmur

„Die türkische Öffentlichkeit hat die Teilnahme des syrisch-kurdischen Anführers Mazlum Abdi an der Münchner Sicherheitskonferenz immer noch nicht verkraftet. Sie können es nicht akzeptieren, dass Mazlum Abdi mit führenden Politikern der Welt zusammenkommt und spricht. Dass Mazlum Abdi den französischen Präsidenten Emmanuel Macron umarmte, wurde fast so dargestellt, als würde Macron ‚einen Terroristen umarmen‘ und entsprechend verurteilt.

Die dahinterstehende Logik ist, dass Eifersucht, Nationalismus und Rassismus ihren Verstand vernebelt haben. Sie schaffen es einfach nicht, dies aus ihrem Denken zu verbannen. Warum ist die türkische Öffentlichkeit beunruhigt, wenn Mazlum Abdi zur Konferenz eingeladen wird, um den Staats- und Regierungschefs der Welt die Probleme der Kurden in Syrien zu erläutern? Welchen Schaden fügt es der Türkei zu, wenn das kurdische Volk in Syrien, das jahrelang unterdrückt, schikaniert und gedemütigt wurde, sich aus eigener Kraft befreit und seine Anführer dies in der Weltöffentlichkeit zur Sprache bringen?

Warum empfinden die Türkei und ihre Öffentlichkeit wirklich solches Unbehagen? Man muss endlich begreifen, dass man im 21. Jahrhundert mit diesen nationalistischen, rassistischen und chauvinistischen Ansätzen nicht mehr weiterkommt. An der Münchner Sicherheitskonferenz nahmen auch Vertreter der Autonomen Region Kurdistan im Irak teil und legten den Weltführern die Probleme der Kurden im Irak sowie ihre Lösungsvorschläge dar. Dies sind sehr richtige Schritte; was könnte natürlicher sein als Gespräche und ein Gedankenaustausch?

Im Irak gewähren die Kurden den dort lebenden Turkmenen ein verfassungsmäßiges Vertretungsrecht von 5 %. Sowohl im Regionalparlament als auch im Parlament in Bagdad wird ihnen eine Quote von 5 % eingeräumt. Dies ist ein Beispiel für die natürlichsten demokratischen Rechte, die die Kurden den Turkmenen zugestehen. Die Türkei hingegen zieht es weiterhin vor, die demokratischen Rechte der Kurden zu beschneiden, ohne von ihrer nationalistischen, rassistischen und chauvinistischen Haltung abzurücken.

Die Türkei könnte eine weitaus stärkere Position im Nahen Osten einnehmen, wenn sie eine rationale Haltung einnimmt und ihre Beziehungen zu den Kurden verbessert. Indem sie die Unterstützung der kurdischen Völker in der Region gewinnt, kann sie ihren Einfluss durch eine friedliche Politik sowohl auf regionaler als auch auf globaler Ebene steigern. In diesem Zusammenhang ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Türkei ihre gegenwärtigen nationalistischen und chauvinistischen Ansätze so schnell wie möglich aufgibt.“

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