Artikel von Redaktion BERLIN LIVE /dpa
Auf dem Areal des ehemaligen Flughafens Tempelhof, das derzeit als große Notunterkunft für Geflüchtete dient, ereigneten sich in der jüngeren Vergangenheit mehrere tragische Todesfälle. Ein Sprecher des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) bestätigte auf Nachfrage, dass im vergangenen Jahr drei Personen infolge einer Alkoholvergiftung verstarben. Zudem verzeichnete die Behörde zwei Suizide, von denen einer im Jahr 2025 und ein weiterer im laufenden Jahr stattfanden; beide Vorfälle ereigneten sich außerhalb der Unterkunft.
Ergänzend dazu gab es in diesem Jahr zwei Versuche, sich das Leben zu nehmen. Wie der Sprecher weiter ausführte, existiert in der Einrichtung eine Gruppe von etwa 50 bis 60 Bewohnern, die massiv mit Alkoholproblemen zu kämpfen haben. Dabei handele es sich überwiegend um ältere Menschen, die bereits eine längere Historie im Umgang mit Suchtmitteln aufweisen.
Berlin: Aufarbeitung und Verbesserungen der Lebensbedingungen
Die Berliner Senatorin für Arbeit, Soziales und Integration, Cansel Kiziltepe (SPD), betonte die Notwendigkeit einer lückenlosen Aufklärung. Sie versicherte: Alle Vorfälle werden dokumentiert, jeder Vorfall wird konsequent aufgearbeitet. Nur durch dieses Vorgehen ließe sich effektiv gegen bestehende Missstände vorgehen. Gleichzeitig räumte die Senatorin ein, dass die Unterbringung in den Hangars keine idealen Bedingungen für eine gelungene Integration biete.
Da eine Schließung der Einrichtung aktuell nicht möglich ist, wurden laut Kiziltepe diverse Verbesserungen eingeleitet, um den Alltag der Menschen zu erleichtern. Wir wissen, dass Notunterkünfte wie in den Tempelhofer Hangars keine guten Voraussetzungen für die Integration geflüchteter Menschen sind, erklärte die Politikerin.
Zu den Maßnahmen gehören die Einstellung von Personal mit Russisch- und Ukrainischkenntnissen sowie der Einsatz von Psychologen, die speziell auf die Betreuung traumatisierter Personen ausgerichtet sind. Zudem wurde die Belegung der Container reduziert, sodass dort nun maximal drei statt zuvor vier Personen leben.
Herausforderung durch Alkoholkonsum und Gewalt
Aktuell beherbergt das Gelände in den Hangars sowie in den angrenzenden Containern rund 1.050 Menschen, während in den sogenannten Tempohomes weitere 775 Geflüchtete untergebracht sind. Die beengten Verhältnisse stehen seit geraumer Zeit in der Kritik, da Frustration und Streitigkeiten regelmäßig eskalieren. Laut LAF-Sprecher kommt es im Schnitt monatlich zu gravierenden Auseinandersetzungen, die eine direkte Meldung an die Behörde erfordern, etwa bei Messereinsätzen.
Bei derartigen Konflikten spiele häufig Alkohol eine entscheidende Rolle. Besonders der Konsum von hartem Alkohol stelle für die Mitarbeiter eine erhebliche Herausforderung dar. Zwar ist der Alkoholkonsum innerhalb der Unterkunft untersagt, doch außerhalb des Geländes lässt sich dieses Verbot nicht kontrollieren. (mit dpa)