Von: Cumali Yagmur
Mit der Machtübernahme von Ahmed el-Sari in Syrien ist der IS in Deutschland wieder aktiv geworden. Organisationsmitglieder tauchen erneut in der Öffentlichkeit auf und betreiben IS-Propaganda. Sie griffen gezielt Gefängnisse in kurdischen Gebieten an, um dort inhaftierte IS-Terroristen zu befreien. Ein Teil der Befreiten hat sich neu organisiert. Ahmed el-Sari selbst war ein ehemaliger Al-Qaida-Milizionär, der in der Vergangenheit gegen die Kurden kämpfte.
Der IS nutzte bereits früher soziale Medien sehr effektiv; heute versuchen sie es mit denselben Methoden. Sie haben eine erneute intensive Propagandakampagne gestartet, um junge Menschen über soziale Netzwerke für ihre Reihen zu gewinnen.
Mit der Erschütterung des Assad-Regimes flüchteten 1,5 Millionen Syrer nach Deutschland und suchten um Asyl an. Unter diesen Personen befinden sich auch zahlreiche IS-Milizionäre. Eine jesidische Frau, die in einem Flüchtlingslager in der Nähe von Stuttgart lebt, identifizierte persönlich einen IS-Terroristen, der sie in Syrien vergewaltigt hatte. In Deutschland rekrutiert der IS minderjährige Kinder und unterzieht sie einer Gehirnwäsche. Zudem befinden sich in den von Kurden kontrollierten Gefängnissen immer noch zahlreiche IS-Milizionäre. IS-Terroristen in Deutschland sammeln Gelder, um inhaftierte Organisationsmitglieder finanziell zu unterstützen.
Der Messerangriff beim Solinger Stadtfest im Jahr 2024 und der Lkw-Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz vor acht Jahren sind nur zwei Beispiele für den blutigen Terror des IS in Deutschland. Tatsächlich hat der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) noch viele weitere Taten im Inland für sich reklamiert. Doch wie organisiert die Terrororganisation dies aus der Ferne? Wie agiert der IS in Deutschland?
Seit 2023 nimmt der ISKP (IS-Provinz Khorasan) über seine Propagandaorgane Europa direkt ins Visier; er ruft zu Anschlägen auf Einkaufszentren, Konzerte und Sportstadien auf, auch in Deutschland. Heutzutage versucht der IS sogar an Schulen, muslimische Jugendliche zu radikalisieren und zu organisieren.
Das Bundeskriminalamt (BKA) hat in Stuttgart eine Person gefasst, die im Internet IS-Propaganda betrieb, doch diese wurde später wieder freigelassen. IS-Aktivitäten werden nicht ausreichend verfolgt, und auch in einigen Moscheen in Deutschland wird weiterhin Propagandaarbeit geleistet.
Diese Terrororganisation wird Deutschland auch in Zukunft massiv belasten. Das Bundesamt für Verfassungsschutz muss diese Organisation streng kontrollieren, ihre Mitglieder festnehmen und sie vor Gericht zur Verantwortung ziehen. Wie in der Vergangenheit besteht das Risiko, dass Jugendliche erneut nach Syrien reisen, dort eine paramilitärische Ausbildung erhalten und nach Europa zurückkehren. Es besteht die große Sorge, dass zurückkehrende IS-Terroristen in Deutschland und ganz Europa Bombenanschläge an belebten Orten verüben könnten.
Rückblick und Hintergründe
In den Jahren 2013 und 2014 reisten zahlreiche junge muslimische Migranten aus Europa nach Syrien, um in den Reihen des IS zu kämpfen. Sie flogen vom Flughafen Frankfurt am Main in weißer Kleidung ab und sagten: „Wir ziehen in den Dschihad“. Nach einer dreimonatigen paramilitärischen Ausbildung in der Türkei, in der Nähe der Stadt Aleppo, überquerten sie die Grenze nach Syrien, schlossen sich dem IS an und kämpften gegen die Kurden. Unter ihnen gab es auch Personen, die es nicht bis nach Syrien schafften und nach Frankfurt am Main zurückkehrten.
Diese Personen riefen ihre Familien aus der Türkei an und baten darum, abgeholt zu werden. Als die Väter an dem Ausbildungsort in der Nähe von Gaziantep eintrafen, sagte der dortige IS-Verantwortliche: „Ihr Sohn und Ihre Tochter haben Kosten in Höhe von 7.000 € verursacht; bezahlen Sie diesen Betrag. Wenn sie freiwillig zurückkehren wollen, können sie gehen.“
Wir haben ein Interview für die Frankfurter Rundschau mit S.H. geführt, der nach Frankfurt am Main zurückgekehrt war. Diese Themen haben wir über Monate hinweg gemeinsam mit einem Kollegen der Frankfurter Rundschau recherchiert und dokumentiert.
Auf diesem Weg gelangten zahlreiche muslimische Männer und Frauen aus Europa in die Region. In kurdischen Gefängnissen in Syrien befinden sich noch immer inhaftierte IS-Kämpfer, die aus Europa stammen. Die europäischen Länder haben diese Personen nicht wieder aufgenommen. Wenn jedoch Familien nach Syrien reisten, um ihre Töchter zurückzuholen, ließ die kurdische Verwaltung die Frauen teilweise frei.
Heute ziehen erneut zahlreiche muslimische Jugendliche nach Syrien, um dort gemeinsam mit dem IS gegen die Kurden zu kämpfen. Diese werden in Zukunft nach Deutschland und Europa zurückkehren und auch hier Anschläge planen. Solange jetzt keine konsequenten Maßnahmen ergriffen werden, ist die Prognose für die Sicherheitslage äußerst düster.