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Bundeskanzler Friedrich Merz will, dass 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer wieder in ihre Heimat gehen. Experten halten das aus vielen Gründen aber für wenig realistisch.

von Fremdeninfo 1 April 2026
von Fremdeninfo 1 April 2026
So einfach ist das mit der Rückkehr nicht
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Quellenangabe: HAZ

80 Prozent aller Syrerinnen und Syrer in Deutschland sollten im Lauf der nächsten drei Jahre in ihre Heimat zurückkehren, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Montag – das sei auch der Wunsch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa.

Ende Februar 2026 waren 930.112 syrische Staatsangehörige ins Ausländerzentralregister eingetragen. Zudem wurden seit dem Jahr 2015 mehr als 245.000 Syrer eingebürgert, allein im Jahr 2024 nahmen rund 83.000 die deutsche Staatsbürgerschaft an. Ein Überblick über die Aussichten auf eine massenhafte Rückkehr und die Frage, wie realistisch Merz’ und al-Scharaas Wunsch überhaupt ist.

Wie läuft die Integration in den Arbeitsmarkt?

Im September 2025 arbeiteten in Deutschland laut Bundesagentur für Arbeit rund 316.900 Menschen mit syrischer Staatsangehörigkeit. Davon waren rund 266.100 sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Beschäftigungsquote der Syrerinnen und Syrer hat sich in den vergangenen Jahren mit jedem Jahr erhöht. Betrug diese im September 2016 lediglich 5,7 Prozent, lag sie im September 2025 schon bei 39,4 Prozent. Dies lasse jedoch keine Aussage darüber zu, wie gut sich die Menschen aus Syrien in den Arbeitsmarkt integrieren, heißt es bei der Arbeitsagentur. Schließlich flössen auch die Zahlen neu ankommender Syrer mit in die Quote ein. Besonders gut integrierte Geflüchtete, die bereits eingebürgert wurden, fallen zudem aus der Statistik heraus. Bürgergeld bezogen im Dezember 2025 rund 444.100 Menschen mit syrischer Staatsangehörigkeit. Darunter etwa 302.700 Erwerbsfähige, von denen rund 23 Prozent einer Arbeit nachgingen, und Bürgergeld als Aufstocker bezogen.

Ist die genannte Zahl der Rückkehrer realistisch?

Daran gibt es erhebliche Zweifel. „Solch hohe Rückkehrzahlen dürften sich als Illusion erweisen und dürften selbst im Weg der freiwilligen Ausreise unerreichbar sein“, sagte Migrationsforscher Daniel Thym dem „Handelsblatt“. Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Marcel Emmerich, sagte, es sei töricht von Merz, „eine solch illusorische Zahl in den Raum zu stellen“. Er lasse nicht nur außer Acht, dass viele Syrer „in zentralen Bereichen unsere Gesellschaft mittragen“. Auch sei die Sicherheitslage in Syrien nach wie vor brüchig. Allerdings gehen schon jetzt Menschen zurück: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verfügt über Zahlen staatlich geförderter freiwilliger Ausreisen, bei denen die Rückkehrer finanziell unterstützt werden. Im Jahr 2025 wurden den Angaben des Bundesamts zufolge etwas weniger als 6000 entsprechende Anträge eingereicht, ausgereist sind davon bis Ende des Jahres weniger als 3700 Personen. In den ersten beiden Monaten des neuen Jahres wurden demnach bereits knapp 1300 Anträge gestellt.

Welche Probleme haben rückkehrwillige Syrer?

Vor gewaltige Schwierigkeiten stellt potenzielle Rückkehrer die zerstörte Infrastruktur in Syrien. Die Versorgung mit Strom und Wasser verbessert sich zwar langsam, bleibt aber mangelhaft. Viele Häuser sind zerstört, es gibt nicht genug Schulen und Krankenhäuser. Zu den prominenten Rückkehrern aus Deutschland gehört Safwat Raslan, den Übergangspräsident al-Scharaa im vergangenen Jahr zum Beauftragten für den Wiederaufbau des kriegszerstörten Lands ernannt hat. Er sagte im vergangenen November, der Wiederaufbau des Lands sei eine wichtige Voraussetzung für die Rückkehr weiterer Syrer aus dem Ausland. Er betont: „Derzeit hat Syrien nicht die Infrastruktur dafür.“ Die Bundesregierung will aber, zunächst die freiwillige Rückkehr deutlich stärken, sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm. „Ein gezieltes Rückkehrprogramm Syrien mit Beratung, Starthilfe und wirtschaftlichen Perspektiven vor Ort ist denkbar“, erklärte er. Bundeskanzler Merz hatte am Montag zudem umfangreiche Unterstützung Deutschlands beim Wiederaufbau von Wirtschaft und Infrastruktur in Land angekündigt.

Dürfen Syrer nur zur Erkundung in ihre Heimat?

Nein. Wer nach Syrien reist, um zu prüfen, ob eine Rückkehr infrage kommt, riskiert den Verlust seines Schutzstatus in Deutschland. Nach dem Ende des Assad-Regimes wollte die damalige Ampel-Koalition Flüchtlingen eine einmalige Erkundungsreise nach Syrien erlauben. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hielt aber an dem Verbot fest. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR fordert, das zu ändern. „Bei einer freiwilligen Rückkehr sind Erkundungsbesuche in die Heimat für die Entscheidung von Flüchtlingen zurückzukehren, ausschlaggebend“, sagte Katharina Thote, UNHCR-Repräsentantin in Deutschland. Throm von der Unionsfraktion lehnt das weiterhin ab und erklärt: „Wer in seine Heimat reist, kann nicht zugleich dauerhaften Schutz in Deutschland beanspruchen.“

Solch hohe Rückkehrzahlen dürften im Weg der freiwilligen Ausreise unerreichbar sein.

Daniel Thym,

Migrationsforscher

 

Quellenangabe: HAZ

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