Plötzlich mit Rassismus konfrontiert? Experte hat fünf nützliche Tipps

Artikel von Maja-Lina Lauer/ Hamburger Abendblatt

Derzeit laufen im Bezirk Wandsbek die Internationalen Wochen gegen Rassismus. Diese bieten neben diversen Lesungen, Rundgängen und Diskussionen auch Workshops. Einer davon ist die „StamtischkämpferInnenausbildung“. Was sich dahinter verbirgt, weiß Georg Chodinski. Der Hamburger erklärt: Interessierte sollen hier lernen, wie sie „gegen rechte Hetze argumentieren und sich gegen rassistische Parolen wehren können“.

Dabei liegt der Fokus vor allem auf spontanen Situationen. „Wir alle kennen das: In der Diskussion mit Arbeitskollegen und -kolleginnen, dem Gespräch mit der Tante oder beim Grillen mit dem Sportverein fallen Sprüche, die uns die Sprache verschlagen. Später ärgern wir uns, denken, da hätten wir gerne den Mund aufgemacht, widersprochen, und diesen rechten Parolen etwas entgegengesetzt.“

Gegen Rassismus: Hamburger Experte verrät fünf hilfreiche Tipps

An dieser Stelle ginge es zunächst darum, so Chodinski von der Landesvereinigung Hamburg des Bundes der Antifaschistinnen und Antifaschisten, „die Schrecksekunde zu überwinden“. Anschließend solle man „Position beziehen und deutlich machen: Das nehmen wir nicht hin.“

 

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Georg Chodinski bietet bei den Internationalen Wochen gegen Rassismus im Bezirk Wandsbek die „StammtischkämpferInnenausbildung“ an. © Georg Chodinski | Georg Chodinski|Georg Chodinski bietet bei den Internationalen Wochen gegen Rassismus im Bezirk Wandsbek die „StammtischkämpferInnenausbildung“ an. © Georg Chodinski | Georg Chodinski

In Workshops gehen es ihm aber nicht darum, ein simples „Rezept“ zu liefern, sagt Chodinski. Es gebe keine Anleitung, die auf jede Situation passe. Trotzdem hat er konkrete Tipps:

  1. Fragen Sie sich: „Traue ich mich, in die Situation einzugreifen? Habe ich den Mut?“ Falls Sie das nicht alleine können: „Wo kann ich mir schnell Hilfe holen?“ Im Zweifel sei auch ein Statement ohne anschließendes Gespräch besser, als rassistische Aussagen einfach stehenzulassen.
  2. Seien Sie sich im Klaren über Ihre Motive: Möchten Sie Opfern helfen oder Hetzerinnen und Hetzer aufklären? Für Letzteres braucht es ein Gespräch.
  3. Im Gespräch gilt dann: „Nachfragen, hinterfragen, Zahlen, Daten und Fakten anfordern.“ Auch Humor könne helfen – und Empathie à la: „Stell dir mal vor, du wärst in dieser Situation.“
  4. Nicht hilfreich seien hingegen Beleidigungen oder Stigmata wie „Du Neonazi!“. Stattdessen sollten Verletzungen offen angesprochen werden: „Was du gesagt hast, hat mich verletzt, weil ... Lass das bitte!“
  5. Grundsätzlich sollte immer die Beziehungsebene im Gespräch mitgedacht werden: Rede ich mit einem Freund? Mit Vorgesetzten? Oder bin ich selbst vorgesetzt? Entsprechend unterschiedlich müsse auf das Gegenüber eingegangen werden.

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Für Chodinski ist klar: „Der Stammtisch ist überall.“ Und genauso brauche es überall „Mut zum Widerspruch“. Dafür bieten Vereine wie „Aufstehen gegen Rassimus“ die besagte Ausbildung auch außerhalb der Aktionswoche im Bezirk Wandsbek an