Solidaritätsdemo für Opfer: Empörung über Hetze gegen Migranten
Artikel von Von Bernd Kastne /SZ.de
Die Schätzungen der Teilnehmerzahl gingen weit auseinander: Zwischen 500 (Polizei) und 5000 Menschen kamen am Donnerstagabend auf den Odeonsplatz. © Stephan Rumpf
Hunderte Menschen versammeln sich vor der Feldherrnhalle. Sie verurteilen, dass Politiker schon kurz nach der Tat diese gegen Menschen mit Migrationshintergrund verwendet hätten.
Empörung über Hetze gegen Migranten
Einige Hundert Menschen haben sich am Donnerstagabend vor der Feldherrnhalle versammelt, um ihre Solidarität mit den Opfern des mutmaßlichen Anschlags auf die Gewerkschafts-Demonstration von Verdi zu bekunden. Es traten auch mehrere Personen auf, die an der Demo teilgenommen hatten. Während die Veranstalter von 4000 bis 5000 Teilnehmern am Abend sprachen, schätzte die Polizei die Zahl auf 500.
Kein Wahlkampf auf dem Rücken der Opfer“, war auf einem Plakat zu lesen. Die Stimmung war geprägt vom Entsetzen über die Tat, aber vor allem von Wut und Empörung über Äußerungen aus der Politik, die als Hetze gegen Migranten verurteilt wurden. Der Fokus der vom Linken-Stadtrat Thomas Lechner spontan angemeldeten Kundgebung lag darauf, dass viele Politiker die Tat aus Sicht der Redner instrumentalisierten, um die Forderung nach einer härteren Migrationspolitik zu untermauern.
„Absolut inakzeptabel“ sei, dass die Tat im Wahlkampf genutzt werde, sagte Lechner. Darunter hätten sehr viele migrantische Personen zu leiden. Alle Redner kritisierten, dass die Tat, die ein Angriff gegen eine Gewerkschafts-Demo mit vielen Menschen mit Migrationshintergrund gewesen sei, für Stimmung gegen Migranten genutzt werd
Was kann man tun? Diese Frage trieb viele um. © Stephan Rumpf
„Man darf solche tragischen Ereignisse nicht nutzen, um zu hetzen“, rief Harald Pürzel, Vorsitzender von Verdi München. Er versprach den von der Tat Betroffenen: „Wir werden Sie unterstützen, wo wir nur können.“ Auch er verurteilte, dass einige Politiker schon kurz nach dem mutmaßlichen Anschlag Stimmung gegen Menschen mit Migrationsgeschichte gemacht hätten. „Das dürfen wir nicht zulassen“, sagt Pürzel, „wir werden uns nicht spalten lassen“.
Bei der Demo am Vormittag waren zahlreiche Menschen mit Migrationsgeschichte mitgelaufen. Für eine Gewerkschaft spiele weder Herkunft noch Aussehen eines Menschen eine Rolle. Unter dem Jubel der Demonstrierenden rief Pürzel: „Wir halten zusammen.“
Michael Jäger ist Verdi-Mitglied und war nach eigenen Angaben Teil der Demo am Vormittag. Er stehe noch immer unter Schock, sagte er. Etwa 40 Meter vor dem Schluss des Demozugs sei er gelaufen, als das Auto in die Menge fuhr. Er sei beeindruckt, sagte er auf der improvisierten Bühne vor der Feldherrnhalle, dass so viele Menschen unmittelbar nach dem „Ereignis“ anderen zu Hilfe gekommen seien. Obwohl sie noch mit Gefahr hätten rechnen müssen, schließlich sei ein Schuss gefallen.
Als er gesehen habe, dass die Polizei einen Mann mit dunkler Hautfarbe aus dem Auto zog, sei ihm klar gewesen, dass dies von Politikern für Hetze gegen Migranten genutzt werde: „Mir war klar, dass wir heute Abend dagegen eine Demo machen müssen.“ Mit teils drastischen Worten kritisierte Jäger, dass Politiker mit Statements zur Migrationspolitik nicht einmal gewartet hätten, bis das Blut getrocknet gewesen sei. Seine Rede wurde mehrmals unterbrochen von Sprechchören: „Hoch die internationale Solidarität.“