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  Bild von: Diden Hadise Zeylan

 

Von Diden Hadise Zeylan

Frei von Deinem Bild

Ich bin gefangen.
Nicht in Ketten aus Eisen,
sondern in Gedanken, die wie Schatten
über mir kreisen.

Jeder Blick, jede Stimme,
alles, was sie sagen,
spielt sich in meinem Kopf ab,
tausend Fragen.
Bin ich gut genug?
Reicht es, wie ich bin?
Oder ist alles nur Fassade,
kein wahrer Sinn?
Ihr habt mich gemalt.
Ohne mich zu fragen,
ohne mich zu sehen,
habt ihr euer Bild von mir erschaffen.
Farbkleckse aus Vorurteilen,
Striche aus euren Erwartungen,
Konturen, die ich nie hätte füllen können.
Ihr seht nur,
was ihr sehen wollt.
Alles, was ich bin,
verdreht in euren Köpfen,
verzogen von euren Urteilen.
Habt ihr je wirklich hingesehen?
Oder nur auf das geachtet,
was in euer Bild passt?
Ich habe lange versucht,
in diesen Rahmen zu passen.
Mich kleiner gemacht,
rund geschliffen,
damit eure Ecken nicht so weh tun.
(Bsp.)
Ich rede, wenn du es willst,
schweige, wenn du es erwartest,
spiele die Rollen, die ihr mir gebt,
doch wer bin ich selbst?

Ich baute Mauern um mich herum,
dicke, hohe, aus Angst, aus Scham,
aus dem Wunsch, perfekt zu sein,
für dich, für sie, für alle.
Aber nie für mich.

Jede Tür, die ich schließe,
ist eine Flucht vor mir selbst,
vor dem Ich, das ich nicht zeige,
vor dem Ich, das nie lacht,
vor dem Ich, das sich in der Dunkelheit
verliert und sich fragt:
Wem will ich noch gefallen?
Was wäre, wenn ich die Maske abne(ä)hme,
die ich so lange trage,
und ihr seht, dass nichts Perfektes
dahinterliegt?
Nur Narben,
alte Wunden,
Angst.
Wäre ich dann frei?

(Kraftvoller)

Ich will raus,
aus diesem Käfig,
gebaut aus Erwartungen und Angst,
aus “Was werden sie denken?”
und “Was, wenn ich falle?”
Ich will fliegen.
Nicht hoch, nicht weit,
nur frei.
Frei von dem Druck,
frei von den Stimmen,
frei von mir selbst.
—— Kurze Erschöpfung——
Ich hab es versucht.
Hab versucht, euch zu zeigen,
wer ich wirklich bin,
hinter dieser Fassade,
die ihr so fest in eure Köpfe
gemeißelt habt.

Ihr habt dieses Bild von mir,
schwarz-weiß, verzerrt,
es hängt in euren Köpfen wie ein Gemälde,
das nie fertig wird.
Jede Kleinigkeit malt ihr weiter,
strichelt die Linien fester,
damit sie bloß nicht verschwinden.
Egal, was ich sage,
egal, wie laut ich schreie –
ihr hört nicht hin.
Ich hab es euch erklärt,
euch alles hingelegt,
offen, ehrlich,
keine Masken,
nur ich.
Aber ihr seht nur das,
was ihr sehen wollt.

Es spielt keine Rolle,
ob ich kämpfe oder stillschweige,
ob ich euch entgegenkomme
oder mich zurückziehe –
Kein Wort, kein Blick,
kein ehrliches Stück von mir
kann euer Urteil verändern.
Denn wenn ihr einmal entschieden habt,
dass ich bin, was ich nicht bin,
werdet ihr niemals zuhören.

(Erleichterung)
Und wisst ihr was?
Das ist okay.
Denn ich bin nicht eure Meinung.
Ich bin nicht eure Vorstellung.
Ich bin nicht das, was ihr in mir sehen wollt,
nicht das, was ihr euch ausgedacht habt.

Ich bin frei.
Frei von eurer Meinung,
frei von eurem Urteil.
Frei von dem Gift,
das eure Worte in die Welt tragen.

Ich bin nicht das Produkt eurer Fantasien,
nicht das, was ihr aus mir machen wollt.
Ich bin nicht die Fehler,
die ihr an mir seht,
nicht die Zweifel,
die ihr in mir schürt.

Eure Meinung hat keine Macht mehr über mich.
Sie fesselt mich nicht,
sie bestimmt nicht, wer ich bin.
Ich werde mich nicht beugen
unter eurem starren Blick,
der nur das findet,
was er suchen will.
Eure Wahrheit ist nicht meine.
Eure Lügen sind nicht mein Problem.
Und eure Ablehnung?
Sie ist das Gewicht,
das ich endlich abgeworfen habe.
jetzt sehe ich es klar:
Es ist nicht meine Aufgabe,
in euer Bild zu passen.
Es ist nicht meine Schuld,
wenn ich euren Erwartungen nicht gerecht werde.
Eure Farben verblassen,
eure Konturen brechen.
Und ich?
Ich bin frei.
Ich hab mich selbst gefunden,
nicht in euren Augen,
sondern in mir.
Denn die einzige Person,
die mir was zu sagen hat,
bin ich.
Und ich sage mir:
Es reicht.
Ich bin gut genug,
so wie ich bin.
Nicht perfekt,
aber echt.
Und das ist Freiheit.

Das Bild, das ihr von mir habt,
es gehört euch.
Behaltet es.
Rahmt es ein,
hängt es auf,
aber ich werde nicht mehr davor stehen
und mich fragen,
ob es mein Spiegelbild ist.
Ich bin kein Gemälde,
ich bin kein Konstrukt.
Ich bin ein Mensch,
und ich bin frei.

Von Diden Hadise Zeylan