Abschiebeflug mit 47 Menschen in den Irak gestartet – trotz Proteste und Kritik
Artikel von Simon Schröder/ F.R.
Eine Maschine mit abgelehnten Asylbewerbern ist gestartet. (Symbolbild) © Julian Stratenschulte/dpa
Kritik am Abschiebeflug in den Irak vom Flüchtlingsrat Niedersachsen. 30-jähriger Jeside, vom Genozid durch die Terrormiliz IS betroffen.
Hannover - 47 Menschen aus elf Bundesländern sind von Hannover aus in den Irak abgeschoben worden. Das bestätigte ein Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums. 16 von ihnen kamen demnach aus Niedersachsen. Nähere Angaben machte das Ministerium zunächst nicht.
Abschiebeflug in den Irak gestartet – Demonstrationen gegen Vorgehen
Der Charterflug von Freebird Airlines startete dem Tracking-Portal Flightradar zufolge um 09.18 Uhr. Eigentlich hätte die Maschine demnach um 08.00 Uhr abheben sollen. Grund für die Verspätung war laut Polizei das winterliche Wetter – das Flugzeug musste erst enteist werden. Am frühen Nachmittag soll es in der irakischen Hauptstadt Bagdad landen.
Begleitet wurde der Abschiebeflug von einer Demonstration des Flüchtlingsrats Niedersachsen, der Seebrücke und des Netzwerks gegen Abschiebung. Nach Angaben des Flüchtlingsrats ist unter den Abgeschobenen ein 30 Jahre alter Jeside aus der Region Shingal, in der sich 2014 der Genozid an der ethnisch-religiösen Minderheit durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ereignete.
Scharfe Kritik an dem Abschiebeflug vom Flüchtlingsrat in Niedersachsen
Simon Wittekindt vom Flüchtlingsrat Niedersachsen kritisierte die Entscheidung, den 30-Jährigen abzuschieben, in einem Instagram-Beitrag. „Der Genozid hat auch bei Badi Juki S. (Name geändert, Anm. d. Red.) und seiner Familie unheilbare Wunden hinterlassen.“ Die Jesiden seien im Irak nach wie vor von den Islamisten bedroht. Weiter kritisierte Wittekindt die Ausweisung in den Irak: „In ein Land, in dem auch zehn Jahre nach dem Genozid zehntausende Jesiden gezwungen sind, in unterversorgten Flüchtlingslagern im Elend zu leben, ohne dass sie auch nur den Hauch einer Perspektive auf ein menschenwürdiges Leben haben.“ (dpa/sischr)