Als Muslim und Staatsbürger gehandelt“: Taxifahrer stoppt Anschlagsfahrer von Mannheim
Berliner Zeitung
Kerzen und Blumen sind beim Paradeplatz niedergelegt. © Uli Deck/dpa
Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) hat einem Taxifahrer mit pakistanischen Wurzeln gedankt, der den flüchtigen Täter der tödlichen Amokfahrt gestoppt haben soll. Der Mann habe eine außergewöhnliche Rolle gespielt, erklärte Specht während des Gedenkgottesdienstes für die Opfer. „Der sich so mutig verhielt, dem Täter hinterherfuhr und schließlich dessen Fahrzeug blockierte, um weiteren Schaden abzuwenden.“
Der Taxifahrer lebe seit 15 Jahren in Deutschland und sei Mitglied der Ahmadiyya-Muslimgemeinde. „Er, so wurde mir berichtet, sagt, er habe als Muslim und als Staatsbürger so mutig gehandelt.“ Am Mittwoch will sich Specht mit dem Mann treffen.
Der 40 Jahre alte Ludwigshafener Alexander S. war am Rosenmontag mit seinem Wagen durch die Mannheimer Fußgängerzone gerast. Eine 83-jährige Frau und ein 54-jähriger Mann kamen ums Leben. Elf Menschen wurden verletzt, mehrere von ihnen schwer. Der Tatverdächtige wurde festgenommen und sitzt mittlerweile unter anderem wegen Mordes in Untersuchungshaft. Inzwischen wurde auch ein Haftbefehl erlassen. Bei seiner Vorführung beim Haftrichter habe er keine Angaben gemacht, sodass sein Motiv für die Tat weiterhin unklar sei, teilten die Staatsanwaltschaft Mannheim und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit. Laut den Behörden gab es konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er psychisch krank ist.
Der 40-Jährige ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen eines Hasskommentars unter einem als rechtsextrem eingestuften Bild im Onlinedienst Facebook. Trotz dieser Vorstrafe aus dem Jahr 2018 schloss die Staatsanwaltschaft ein politisches Motiv zunächst aus.
In einem ökumenischen Gottesdienst wurde in Mannheim am Abend der Opfer der Todesfahrt gedacht.